Öffi Linz, Blog, Linz
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GES Linz # 6 | Linie 1 von der Universität nach Auwiesen und retour mit Linie 12 zum Karlhof | Die Stahlstadt von Norden nach Süden.

Die Haltestelle Universität ist seit fast 10 Jahren meine Heimat geworden. Der Deutsche würde wahrscheinlich sagen mein Kitz – ich sag mittlerweile mein Kretzl, meine Heimat halt.

Haltestelle Universität – Johannes Kepler Universität Linz

Erinnerungen an die Haltestelle Universität

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@DorisWorld – 2010 am Campus

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, da war ich 15 Jahre alt oder so, da sind wir zum ersten Mal von Traun raus auf die Linzer Universität zum Besichtigen, Schülerausflug, mit den Öffis gefahren. Gott war ich damals aufgeregt. In meiner jugendlichen Naivität dachte ich mir da laufen nur die ganz, ganz belesenen herum. Die Studierten halt. Da spürt man so richtig die Gscheidheit und alles wird gut und schön und ich werde mich bombig wohlfühlen, weil ich doch auch so schrecklich gerne lese und mich irgendwie in meiner Welt selten jemand verstand, weil in meinen Hirn mehr herumspukte als ausschließlich lange Fingernägel, Wimpern und Jungs. Ich stellte mir das Uni-Areal, so vor wie in den amerikanischen High-School- oder Universitätsfilmen da ist sicherlich ein richtig cooler Platz und da wurrelt es nur so von coolen Menschen die alle nach etwas Streben und total Intelligent, Intellektuell sind und gut aussehen und die Jungs sind auch viel toller und behandeln Mädchen gut und sind nicht so gemein wie ich das kannte. So oder so stellte ich mir das vor. Wir stiegen damals Haltestelle Universität aus und gingen ein paar Schritte. Dann kann ich mich noch erinnern, da war ein großer Teich und ganz viele Enten und total viel alte Menschen rundherum. Das Gebäude, was sie sagten, was die Universität ist, war alt und nicht schöner als unsere Schule. Irgendwie war das ganze Areal wie ausgestorben und ich dachte mir, damals die ganze Zeit, und wo sind jetzt die vielen Bücher und das Wissen und vorallem die Menschen? Um es kurz auszudrücken ich war fürchterlich, fürchterlich enttäuscht.

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@DorisWorld – das Keplergebäude der Uni-Campus mit Teich 2010

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich diesen Ort mittlerweile 10 Jahre fast täglich besuchen würde, denn hätte ich für verrückt erklärt, aber das Leben spielt oftmals anders und ich muss Euch sagen ich habe die Haltestelle Universität Lieben wie auch Hassen gelernt.

Ich habe die Haltestelle geliebt, wenn ich wiedermal eine richtig schwere Prüfung bestanden hatte und mit dem MP3-Player im Ohr bei Sonnenschein wie auch bei Regenwetter (in der Pfütze) herumgehüpft bin. Oder auch nach einer richtig durchzechten Mensa-/Sommerfestnacht mit seinen liebsten Freunden den Sternenhimmel angesehen hat und sich beschwipst gefreut hat, dass es so schön in Urfahr da auf der Uni-Haltestelle ist und man hoffnungsvoll auf eine Straßenbahn wartete die einem Heim brachte. Oder auch als meine damaliger Freund auf mich draussen dort auf der Straße im Regen auf mich gewartet hat, damit er mich ja nicht verpasst und mich gut und sicher nachhause bringen kann. Ja das waren die schönen Momente. Hässliche Momente sind jene, wenn die Prüfung verpatzt war, man JUST die Bim verpasst hatte, der Regen nur so runterfiel und man keinen Unterstand mehr fand, weil soviele Menschen plötzlich auf der Haltestelle waren..etc…etc…was ja wiederrum die Haltestelle nicht dafür konnte…ja ich weiß…

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@DorisWorld: Die Hecke neben dem Teich am Campus der JKU – Frühling 2010

Die Haltestelle Universität heute

Die Haltestelle Universität ist eine Remise. Daneben die Aufhof-Schule (wo viele meiner Studienkollegen etc in die Schule gegangen sind). Ein Würstelstandl und a bisi weiter vorne der Winkler-Markt, ein regionaler Markt mit Produkten aus unter anderem dem Mühlviertel. Beim Winkler-Markt sind ein Buchladen dabei, eine Apotheke und ein Friseur. Den Buchladen mag ich total gerne, da kann man so richtig schön schmökern. Der Buchladen ist klein aber sehr fein. Beim Friseur war ich noch nicht. Hat da jemand Erfahrungen? Wirkt mir eher so wie ein, sagen wir mal, sehr regionaler Friseur. Wisst ihr wie ich das meine? Also so einer der 2-3 Schnitte bei Herren bzw Damen darauf hat. Bei uns zuhause am Land konntest ganz genau erkennen, wer zu welchem Friseur und demnach von welchem Ort kommt, sehen. Ich schätze das ist bei diesem „Urfahraner“-Friseur das selbe…Hat da jemand Erfahrungen damit? Meine Stadt – mein Kitz – meine Frise….ehm oder so…

Vorne bei der Universität selbst der besagte Teich mit den Entchen drauf. Daneben die Gebäude der Universität verstreut am Campus angeordnet. Am Semesteranfang und –ende wusselt es nur so von Studierenden. In den Sommermonaten überwiegen die Pensionisten die Entchen fütternd an den Parkbänken rund um den Teich sitzen.

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@DorisWorld – Statue neben dem Teich 2010

Der Campus ist schön angelegt und als einer der einzigen Universitäten Österreichs bin ich als JKUlerin (Absolventin der Johannes Kepler Universität) stolz darauf, dass alle Fakultäten/Institute gleich beim Campus sind. Der Campus ist also zusammenhängend und öffentlich zugänglich. Das Bibliotheksgebäude lädt zum Schmökern ein. Unten im Eingangsbereich sind Sitzmöglichkeiten und die neuesten Tageszeitungen –magazine liegen immer parat. Jeder der möchte kann sich dort hinsetzen und lesen oder auch nur die Stille der Bibliothek genießen.

Wer Hunger hat kann entweder in die Haupt-Mensa, KHG Mensa oder auch ins Sassi gehen. Das Sassi ist übrigens Kaffeehaus, Bar in einem.

Ich kann daher wirklich zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang hier am Campus empfehlen. Eine Runde um den Uni-Teich. Lesen, Essen, Ruhe und die Schönheit der Natur genießen etc. Aber auch befindet sich genau hinter dem Campus wenn man so eine halbe Stunde durch den Wald den Hügel hochgeht der Schatzbauer. Ein Mostheuriger mit Blick auf Linz.

Die Fahrt nach Auwiesen

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Urfahr in Linz ist sowas wie die Insel der Seeligen. Viel Grün, schöne Häuser – spätestens wenn man an St. Magdalena und Co vorbeifährt, weiß man wo sich die geldigen LinzerInnen verstecken. Urfahr wirkt eher ein Dorf als eine Stadt. Wenn man eben auf der Nordseite von der Donau also in Urfahr steht, dann kann man es fast nicht glauben, dass wir uns in der Stahl(Industrie)stadt befinden. Eher Mühlviertel, was es ja auch ist. Als Urfahraner kann man definitiv sagen, man ist am Land aufgewachsen mit Hügeln und Mostbauern und einer schnellen Straßenbahnanbindung in die Stadt und für diesen Luxus wird man hier hinsichtlich der m2 Preise zur Kassa gebeten. Keine verschmutzen Straßen, kein Lärm. Außer wöchentlich unterm Semester von Donnerstag auf Freitag-Nacht, wenn eine Horde an Austauschstudenten gepaart mit einen Haufen hiesiger die Straßen von der Universität zu den Studentenheimen verunsichern, weil Sperrstunde ist. Aber das wird toleriert: „die Jugend“…“und ist halt ein Studentenviertel.“ „A bisi was muss sich ja a doa.“ Sonst eigentlich untertags bewegen sich nur ein paar sehr gepflegte PensionistInnen (großteils pesnionierte Akademikerinnen etc) mit dem Rollator zum Winkler-Markt und wieder retour. Junge Mütter die sehr zivilisiert und ruhig ihre Kinder erziehen und tja und paar schon ausgeschlafene Studenten die nach der durchzechten Nacht auf der Suche nach Nahrung sind.

Ich würde behaupten hier auf der Insel der Seeligen bekommt man wenig mit, was in der Stadt Linz oftmals wirklich so los ist. Wie auch? Hier aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, hier zur Uni gegangen mit dem Auto zur Arbeit gefahren in die Tiefgarage einer Firma innerhalb oder außerhalb der Stadt. Wiederrum nur mit Akademikern zu tun. Über Hungerthemen, Arbeitslosenraten, viele Bettler in der Stadt, Armut bekommt man dann gewöhnlich nur etwas mit übers Autoradio oder im Büro von Gesprächen der Anderen und das ist sowieso alles soweit weg…

Umso erstaunlicher ist dann der Kontrast wenn man mit der Straßenbahn Linie 1 einfach dann so von Urfahr die Donau passiert. Das sind wirklich nur 3-4 km. Spätestens kurz davor, genauer auf der Rudolfkreuzung fängt es dann an zu „wurreln“ an und die Menschen werden unterschiedlicher von ihrer Herkunft, Geschichte, Ausbildung, Wissen. Der Hauptplatz die Landstraße ist dann noch dazu bevölkert von Touristen, aber spätestens dann ab Bahnhof, Bulgarieplatz etc fängt dann das wirklich Linz-Leben an. Da wo man manchmal nicht mehr hinschauen möchte oder auch deswegen hinschauen möchte, weil man registriert Armut ist nichts Hausgemachtes sondern einfach da. Auch in Linz. Derbe, lieblose, niedermachende Gespräche die die Fahrtinsassen mit sich und ihrer Umwelt führen. Schreierein in der Öffentlichkeit. Verwahrloste Persönlichkeiten. Männer oder Frauen die Ihre eigenen Kinder nieder machen oder über andere lauthals herumschimpfen. So langweilig, gepflegt Urfahr manchmal wirkt umso turbulenter und vorallem kreativer wird Linz zwischen Bulgarieplatz bis runter Wiener Straße.

Ich nenne das den Hochofen-Indikator. Warum? Je näher der Hochofen der Voest desto mehr zeigt sich das wahre Linz. Das Linz was manchmal schmutzig, dreckig und derb ist. Das Linz welches uns zeigt, dass wir eine „Hackler“-Stadt sind und nicht nur intellektuelle, Schönheiten das Stadtbild prägen, so wie es sich manche wünschen. Das Linz welches zeigt, dass es richtig Schei* Wohnungen neben richtig viel befahrenen Straßen gibt. Da wo der Voest-Smog und die metallgeschwängerte Luft die Außenfassaden der Häuser angegriffen hat. Da wo soviele Menschen wohnen, weil sie sich nichts anderes leisten können und vorallem irgendwann dann in den Jahren ihr Kretzl lieben gelernt haben mit all Ihren Macken. Wenn man die Linie 1 vom tiefsten Urfahr (Universität) ausfährt ist das wie ein kleiner Kulturschocker. Aber genau diesen schönen Kontrast liebe ich an Linz. Es ist diese unperfekte Schönheit. Dieser Haufen an Mängelexemplaren die wir sind, egal ob im Gebiet der Insel der Seeligen wie auch runter in den tiefsten Linzer Süden. Fährst du von der einen Seite, also Norden, zu der anderen Seite also Süden durchlebt man zwei komplett fremde Welten. Zum einen im Norden (Urfahr) was an Landeier erinnert, wo alles perfekt geregelt ist, grün, ruhig und zum Anderen im Süden da ist es zT laut, nicht so grün, da wurrelt es und an jeder Ecke gibt es was Neues zu entdecken, aber genau diesen Kontrast liebe ich an Linz. Das ist das Linz das lebt, dass ist das Linz das rund um den Hochofen lebt.

Von der Wienerstraße weg zweigt die Straßenbahn dann in eine hochverbaute Siedlung ein. Zigtausende Menschen wohnen in Auwiesen in Wohnungen versteckt. Ich bin mir da nicht so sicher ob man sich da kennt so wie zB in der SolarCity…Liebe Auwiesener wie lebt es sich bei Euch? Kennt Ihr Euch?

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@DorisWorld – die Stufen zum Einkaufszentrum – Endstation Auwiesen

Man merkt, man hat zwischen den Hochhäusern und Massenwohnungen versucht Grünflächen zu gestalten. Viel freie Fläche bzw Ebene habe ich nicht gesehen. An der Endstation Auwiesen ist ein kleines Einkaufszentrum mit einem Supermarkt drinnen und ein paar Geschäftern bzw „Trinkbars“. Oder ganz derb auf Oberösterreich im Dialekt ausgedrückt: „a spelunkn“. Ich würde eine „Spelunke“ so definieren, als ein Cafe/Bar wo man als „anständige“ Frau untertags nicht reingeht, außer man hat ein Alkoholproblem…oder wirklich definitiv was zum Feiern…oder hat wirklich keine andere Örtlichkeit entdeckt um sich wo gemütlich niederzulassen….oder auch man muss jmd aus den Fängen seines Alkoholrausch befreien…oder so…Was denkt Ihr? Wie würdet Ihr das Wort „Spelunkn“ bezeichnen?

Im Innenhof befindet sich das Volkshaus Auwiesen. Alles ist irgendwie zubetoniert, aber doch mit ein paar Bäumchen runderherum, aber igendwie merkt man da wurde mit Beton nicht gespart. Bei der Remise ist eine Busstation wo unter anderem der 12er O-Bus regelmäßig wartet um Fahrgäste quer durch die Stadt wieder nach Urfahr zu bringen.

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@DorisWorld – Volkshaus Auwiesen – mit Beton wurde nicht gespart.

Nachdem ich meine Einkäufe im Supermarkt an der Remise Auwiesen getätigt habe und wirklich die Verkäuferinnen da drinnen loben muss, total zuvorkommend, bin ich in den 12er eingestiegen.

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@DorisWorld – Selfie in Auwiesen…

Linie 12 von Auwiesen zum Karlhof nach Urfahr retour

Also der 12er der tuckert von Auwiesen über das Schörenhubbad (übrigens ein total schönes Hallenbad bzw Eishalle der Linz AG) vorbei an der Salzburger Straße die Landwiedstraße hoch. Von der Landwiedstraße durch das Keferfeld bzw Bindermichl. Das Keferfeld eine wirklich schöne Hausansiedelung. Allerdings sind die Grundstücke der Häuser ein „bisschen“ komisch angeordnet. Ich habe damals meinen Schwiegervater in spe den Helmut (er ist schon verstorben – möge er in Frieden ruhen) ein gebürtiger Bindermichler und späterer Keferfelder gefragt: Warum die Grundstücke einiger Häuser dort so zu einem Spitz zusammenlaufen und dann sind viele Grundstücke wo die Häuser drauf stehen, nur zum Teil umgewidmet also, dass man also kein weiteres Haus drauf stellen könnte. Irgendwie wäre doch viel mehr Platz da im Keferfeld wenn die Grundstücke einfach so wie überall auch quadratisch bzw symmetrisch angeordnet wären. Helmut meinte damals, er nimmt an, dass der Raumplaner beim Plan zeichnen vom Keferfeld einfach irre besoffen gewesen sein muss oder unter sonst einen Drogeneinfluss gestanden sein, „weil so planen…des bringt kana nüchtern zsomm.“ hat der Helmut immer gsagt und dabei den Kopf geschüttelt. Was denkt Ihr? Wisst Ihr da mehr darüber wie das Keferfeld entstanden ist?

Ist Euch das auch schon mal aufgefallen mit den unsymetrisch angeordneten Grundstücken im Keferfeld. Vom Keferfeld ging es dann mit dem Bus weiter via einer der Hauptverkehrsadern von Linz Richtung Bahnhof vom Bahnhof via Europaplatz, der Bankendistrikt von Linz, die Gruberstraße runter Richtung Parkbad. Dann meine geliebte Eisenbahnbrücke rüber nach Urfahr und ehe man sich versieht ist man wieder beim Karlhof, wo ich auch schon darüber berichtet habe, weil es die Endstation ebenso vom 25er ist.

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Ich merke immer mehr, dass durch meine Erkundungstouren mit den Öffis, Linz mir immer mehr und mehr ans Herz wächst. Linz ist unterschiedlich, Linz ist Kontrast, Linz ist schön und vorallem die Linie 1 wenn man sie durchfährt bekommt man all das mit. Seit ihr die Linie 1 auch schon mal durgefahren? Was habt ihr beobachtet?

Alles liebe,

Unbenannt_Signatur Doris

PS: Gewinnspiel nicht vergessen – läuft noch bis 31.8.2015. Es gibt Monats-/Wochen-/Tagestickets zu gewinnen für das Linzer Öffi-Netz!

3 Kommentare

  1. Peter sagt

    wieder sehr nett geschrieben, vor allem den Kontrast zw Urfahr & der Innenstadt ganz interessant herausgearbeitet. Ja muß ich glatt selbst wieder mal machen.
    Und ja, der Buchladen im Winkler Markt ist toll – der Besitzer wird sich drüber sicher freuen 🙂

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  2. Doris Prohaska sagt

    Hallo Peter, danke für dein Kommentar. Danke fürs Lesen und danke für deine Treue. Berichte werden nun in kürzeren Intervallen folgen, bin ja jetzt wieder motiviert und habe auch ein bisschen mehr Zeit. Bin schon gespannt wie sich Linz bei den Linien präsentiert die ich wirklich absolut nicht kenne. LG D.

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  3. Pingback: GES Linz # 7 | Bim Linie 3 vom Landgut zum Doblerholz | DorisWorld.at

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