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Krippenstein Oberösterreich: wie du dort ein Bergwochenende im Hochsommer verbringst…

Gerade wenns in Linz wie die Hölle zugeht, muss ich raus. Fast jedes Wochenende im Juli ist die ganze Stadt gesperrt, weil wieder irgendwie ein Event stattfindet. Auf der einen Seite ist es toll, wenn sich in meiner Heimatstadt etwas rührt und ganz tolle Sachen geboten werden, aber auf der anderen Seite macht es mir bereits seit den letzten Jahren den Anschein, dass die Linzer-Event-Maker es wohl oder übel übertreiben. Irgendwie werden die Events immer größer und größer und man will immer mehr und mehr Leute anziehen ohne Rücksicht auf die Infrastruktur oder die Bewohner der Stadt.

Das finde ich mittlerweile sehr schade. Das Linzer Pflasterspektakel ist zum Beispiel so ein Event. Von Donnerstagmittag weg bis Sonntag ist die komplette Innenstadt gesperrt und als Anrainer ist es mittlerweile ein Ding der Unmöglichkeit, dann da noch irgendwelche Erledigungen machen zu können, ohne stundenlang im Verkehrschaos zu versumpfen. Weiters ist die Veranstaltung restlos überlaufen, so überlaufen, dass ich von der Masse an Leute regelrecht Platzangst bekomme. Kilometerlang schiebt man sich durch die Landstraße in der Hoffnung einen Ausstieg aus der Masse zu finden. Horror für mich. Seit Jahren meide ich daher die Innenstadt beim Pflasterspektakel und bin darum umso froher, wenn ich dann gleich das Wochenende raus aus der Stadt bin.

Spontan, beschlossen wir den Krippenstein anzupeilen. Da das Wetter momentan sehr unbeständig ist, dh man hat immer das Gefühl in jeder Stunde könnte ein Wärmegewitter runterkommen, bietet die Region Dachstein / Krippenstein gerade als Wanderersatz-Programm echt viel. Ein Telefonat mit Hüttenwirt Patrick von der Gjaid im Vorfeld und ein Zimmer für eine Nacht auf der Alm war gecheckt.

Von der Gjaid auf den Niederen Rumpler

Über die Gjaid habe ich ja schon mehrmals geschrieben. Meine aufmerksamen LeserInnen werden auch mal die Winterfotos gesehen haben, die ich gemacht habe, als ich mit den Schneeschuhen zum Wiesberghaus gewandert bin bzw auch zum Niederen Rumpler. Auch Weihnachten habe ich letztes Jahr auf der Gjaid verbracht. Die Alm liegt auf ca 1700 Höhenmeter und ist sehr komfortabel mit 3 Seilbahnen erreichbar. Dutzende Wanderwege führen zur oder weg von der Gjaid. Auf der Krippenstein Mittelstation lassen sich die Eis- und Mammuthöhlen besichtigen und unten im Tal Hallstatt und der Hallstättersee.

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Mit Hund, (Klein)Kind sind wir angereist und waren um die Mittagszeit auf der Gjaid. Patrick und Mikela empfingen uns herzlich und dann gab es mal eine anständige Kaspressknödelsuppe auf der sonnigen Alm-Hütten-Terasse. Das Wetter zog immer so ein bisschen umher so entschieden wir uns zu einer Wanderung auf den Niederen Rumpler, wo man in Sichtweite der Gjaid ist, falls ein rasches Gewitter aufzieht. Das Kind wollte Felsen kraxeln, was wir dann auch ungewollt mussten, da ich bereits etwas früher beim originalen Weg einbog. Auch hatte ich ein schlechtes Kartenmaterial bei mir, weil bei vielen Karten die verkauft werden sieht man die Höhenlinien nicht anständig, und somit sind wir im Kalkstein ein bisschen gekraxelt. Natürlich unter höchster Vorsicht, Karst – so wie Kalksteine in dieser Gegend genannt werden sind nicht ohne. Scharf können sie sein, tiefe Riese, wo man reinfallen kann etc. Das (Klein)Kind kraxelte super und blühte regelrecht auf, dass wir Erwachsene ihn fast nicht mehr einholten. Oben am Rumpler angekommen, Gipfelkreuz und Aussicht mit einer besonderen Stimmung. Ein anziehendes Gewitter westlich, warf ein bedecktes Licht und wir wussten wir müssen wieder aufbrechen. Der Weg ging wieder hinab an vielen Karst vorbei, zwischenzeitlich fing es an zum Tröpfeln, wir wussten wir müssen rasch zur Hütte gehen, weil die Gewitterwahrscheinlichkeit bereits sehr hoch ist. Der kleine Herr musste ein bisschen motiviert werden, um das Tempo ein bisschen zu erhöhen. Die kleinen Regentropfen hörten wieder auf. Die Hütte in Sichtweite und auch das Gewitter verschwand, ohne sich jemals wirklich gezeigt zu haben. „Komisches Wetter heute“, stellten wir fest und waren dennoch froh in der Hütte angekommen zu sein.

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Die Gjaid hat seit diesem Sommer auch einen sogenannten Almbauerhof. Dh Kühe, Ziegen und auch Pferde tummeln sich auf der Alm und sind bei den Kindern recht beliebt. Weiters draußen Sitzsäcke, Sonnenschirme, eine Sandkiste. Gerade für Familie dort ein Traum. Kind lässt man frei laufen und die Erwachsenen sitzen gemütlich. Was wir dann auch gemacht haben. Bei meinem obligatorischen Rotwein-Glas genoss ich am Sitzsack draußen die Ruhe und die Abendstimmung auf der Alm.

Info: Das Gipfelkreuz des Niederen Rumpler liegt auf 1979: Der Niedere Rumpler ist nicht auf den Wegweisern rund um die Gjaid eingezeichnet. Nur auf Karten. Am besten geht man von der Gjaid Richtung Simonyhütte und dann biegt man östlich den Weg ab Richtung Gipfelkreuz Niederer Rumpler. Ca eine Stunde Wegzeit oder so – eine geschickte leichte Nachmittags-/Abendwanderung. Auch im Winter für Schitouren oder Schneeschuhe richtig gut, aber wie gesagt die Karst sind nicht zu unterschätzen.

Niederer Rumpler || Quelle: Google Maps

Niederer Rumpler || Quelle: Google Maps

Von der Gjaid auf die Krippenstein Bergstation am Karstweg

Frühstück auf der Gjaid. Das Wetter spielte wieder mit uns. Gewitterwahrscheinlichkeit hoch. Zeitfenster momentan nicht einschätzbar. Darum verwarfen wir unseren Plan mit dem Wiesberghaus und gingen auf Rat vom Gjaid Hüttenwirt Patrick Richtung Bergstation. Kurz unterhalb der Seilbahnstation beim Postl biegt ein wunderschöner beschrifteter Weg ab. Rundweg 3,5 Stunden stand da so ca. Wir spazierten dahin und die Sonne zeigte sich von seiner besten Seite, kein Anzeichen von Gewitter.

Neben einer Unterstandshütte zeigte der Weg ebenso Richtung Bergstation allerdings hin zu einem kleinen See und zum Karstlehrpfad. Warum nicht, dachten wir und folgten diesem Weg weiter. Kurz vorm See zogen abermals Wolken auf und es war nicht ersichtlich, ob nicht bald wieder ein Gewitter kommt. Wir beschlossen daher weiter zu wandern ohne See. Ein malerischer Weg führt uns quer durch die Kalksteine. Ein bisschen kraxeln inklusive.

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Zur Mittagszeit dann Ankunft bei der Lodge. Nach dem Mittagessen mit der Seilbahn runter zu den Eishöhlen. Die Sonne zeigte sich abermals von der schönsten Seite und die Gewitterwolken waren wieder wie verflogen.

Infos zum Weg, wo wir ca gegangen sind:

Quelle: Google Maps || Unsere Wanderung durch das Karstgebiet

Dutzende Touristen, aus aller Länder der Welt drängten sich den Weg hoch zu den Eishöhlen. Keine Spur mehr von der Abgeschiedenheit rund um die Wanderwege bei der Gjaid. Ich war ein bisschen aufgeregt, seit meiner Kindheit war ich nicht mehr in den Eishöhlen. 25 Grad Außentemperatur und drinnen rund um die Null-Grad wird ein bisschen ein Temperaturunterschied für mich sein, darum zog ich vorm Eingang all meine Klamotten an, die ich in meinen Rucksack mit hatte.

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45min lang besichtigten wir riesige Eisgebilde in den Höhlen. Laut Bergführer ist die Eisdecke in den letzten Jahren sogar mehr geworden. Viele Stufen durch die Höhle gingen wir, bis wir am Ausgang weiter oben am Berg als der Eingang ist, wieder rauskamen und die Sommerhitze uns wie aus einem Backofen entgegenpeitschte.

Ein Stück wieder hinab bis zur Seilbahnstation.

Warten auf die Gondel und Heimfahrt nach Linz, vorbei an den vielen Seen im Salzkammergut. Augengenuss pur. Zurück in Linz: Wie war das noch mit dem Pflasterspektakel?

Warst du schon mal die Eisenhöhlen am Krippenstein besichtigen? Wie haben sie dir gefallen? Warst du schon mal oben auf der Lodge, essen oder beim neu eröffneten Bergrestaurant oben am Krippenstein? Freue mich über Kommentare.

Eure, Doris

5 Kommentare

  1. Tanjas Bunte Welt sagt

    Hallo Doris
    Das sieht klasse aus dort und wird gleich vorgemerkt. Wir waren genau zum Pflasterspektakel beim Höhenrausch. Da ging es, aber es wird in Linz wirklich immer größer und voller bei den Events.
    Liebe Grüße
    Tanja

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  2. Super toller Bergbeitrag mit allem was mir gefällt. Fängt schon mit der Kaspressknödelsuppe an ! Herrlich ! Übringes auf dem Gjaidstein war ich schon ! Wenn du Lust hast kann ja bei mir mal reinschauen unter der Rubrik „Berge“ findest du ihn !

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  3. Pingback: Hello from the other side, 2017 | 40 Fakten aus 2016 | DorisWorld.at

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