Ich bin fast ein bisschen nervös während ich diesen Blogbeitrag beginne. Habe ich mir doch nicht vor einiger Zeit geschworen meine tiefsten persönlichen Gedanken auf meinem Blog zu verbannen, weil ich zu folgenden Schluss gekommen bin:

„Persönliche Gedanken bzw. Verletzlichkeit in der Öffentlichkeit zeigen macht nämlich angreifbar, weil dir dann andere ständig erklären wollen, wie man das „Problem“ löst und dich deswegen für unfähig halten und das wiederum führt zu Misserfolg, weil nur die Harten kommen in den Garten.“

Ja, und da sind wir nun, ich hab grad einen meiner persönlichsten Kindheits-Glaubenssätze niedergeschrieben, wo ich dachte diesen Glaubenssatz habe ich schon lange geheilt. Denkste dieser Glaubenssatz schleicht sich in einer Art selbst erfüllender Prophezeiung die letzten eineinhalb Jahre immer und immer wieder in mein Leben und je mehr ich kämpfe und trotzdem meine Verletzlichkeit im Alltag zeige, desto mehr werde ich mit Belehrungen abgespeist, ignoriert oder meine Grenzen maßlos überschritten.

Das macht mich müde, einsam, hoffnungslos und mittlerweile tief traurig. Es gibt mir noch mehr das Gefühl „gefangen“ zu sein in meiner persönlichen Entwicklung und gibt mir auch das Gefühl der Unfähigkeit in allen Belangen, Ablehnung und keinen sinnvollen Beitrag in dieser Gesellschaft leisten zu dürfen, weil andere es eh besser wissen und die Pandemie verstärkt das Ganze nochmal. Ich habe daher für mich beschlossen zu handeln. Ein Leben wie in einem einsamen Gefängnis will ich nicht führen. Ich will dem Leben noch viel geben und auch für mich darf und ist ein Platz da, nur hab ich das scheinbar irgendwie vergessen.

Ich kann mich jetzt fragen: Wie konnte das passieren? Wie konnte es gerade mir passieren, dass gerade ich vergesse, was Freude bedeutet und mir der Mut mittlerweile fehlt meinen Platz zu finden bzw. meine Träume zu leben? Was ist passiert, dass ich so derartig „ausgelaugt“ bin?

Die Antwort ist ganz einfach: Ich habe meine eigene Selbstliebe vernachlässigt. Zwischen Vollzeit-Arbeiten gehen trotz Pandemie und wenig bis gar keinen sozialen Kontakten bzw. Abwechslung, Wohnungsumzug, habe ich mich selbst vergessen.

Die Selbstliebe hat etwas mit gesundem Egoismus zu tun, sich selbst im Leben an erste Stelle tun, Bestandsaufnahme machen, innerlich ausmisten und sich Gutes tun, weil für unser Glück sind wir selbst verantwortlich.

Sind die Glücks- und Liebesreserven aufgebraucht müssen wir schauen, wie wir sie wieder erneuern und das ist die Aufgabe von uns selbst und niemanden anderen. Das Umfeld, unsere Mitmenschen können uns dabei unterstützen aber nicht alle sind dafür geeignet.

Soviel zur Theorie.

Ich möchte mir die kommenden 90 Tage Zeit nehmen, um mich wieder bewusst meiner Selbstliebe zu widmen. 90 Tage lang möchte ich auch darüber bloggen, wie es mir dabei geht, weil mir das Schreiben schon immer beim Reflektieren geholfen hat.

Warum ich gerade hier am Blog öffentlich darüber schreiben möchte?

Weil ich damit zeigen möchte, dass es absolut ok ist, sich verletzlich zu zeigen, weil die Liebesbeziehung zu sich selbst die wichtigste ist und bei uns allen ein permanenter Prozess ist. Ich habe meine eigene Liebesbeziehung vernachlässigt, dass möchte ich wieder ändern und das kostet mir wirklich viel Mut und Kraft, dass könnt ihr mir glauben.

Es macht mir Angst, euch an meinem Prozess teilhaben zu lassen. Allerdings weiß ich, nur wenn ich mich wieder aus meiner Komfortzone wage, werde ich wachsen und eine Veränderung schaffen. Auch weiß ich, dass mir das tägliche Reflektieren, hier im Blog, wie in einem persönlichen Tagebuch – so wie mein Blog eigentlich ursprünglich konzipiert war, helfen wird den Fokus 90 Tage auf mich zu halten.

Zu meinem eigenen Schutz werde ich in den kommenden 90 Tagen die Kommentarfunktion im Blog ausschalten. Nicht weil ich nicht an eurer Meinung interessiert bin, sondern weil ich einfach den Fokus auf mich halten will. Ich hoffe ihr habt Verständnis dafür.

Ich atme nochmals tief ein und nochmals tief aus. Ich bin bereit. Lassen wir das Experiment beginnen!

Namaste.