Baden im Steinernen Meer: Ich glaub ich werd narrisch – landschaftlich einmalige Wanderung!

Bergaktiv, Blog, Unterwegs

So nahe am Weißwurscht-Äquator glaub ich, war ich noch nie. Da wo die Grenze zwischen Österreich und Deutschland fließend und da wo die Weißwurscht am dicksten ist, ja da war ich. Ok so dick war die Weißwurscht auch wieder nicht. Fakt ist, ich habe mich im Steinernen Meer gebadet und habe nun den Muskelkater – ehm – die Muskelkatze (Gender ist wichtig, wurde mir gesagt) des Jahrhunderts, wenn nicht des Jahrtausends. Aber jede schmerzende, verhärtete Faser, auf Grund meiner neuen Bergschuhe, in meinen Beinen war die Wanderung wert. Warum? Ihr wollt wissen warum, ja dann lest weiter…

Die Idee mit dem Steinernen Meer

Eigentlich hat alles damit angefangen, dass ich vor einigen Wochen in Lofer war. Ihr könnt euch erinnern? Ich war e-biken in Lofer. Bei der geselligen Sonnwendfeier am Abend ist das Ingolstädter-Schutzhaus erwähnt worden, im selben Atemzug das Steinerne Meer. Das Steinerne Meer steht schon lange auf meiner Todo-Liste und darum habe ich beschlossen die Gelegenheit beim Schopf zu packen und dem Steinernen Meer inklusive dem Ingolstädter-Haus einen Besuch abzustatten.

Von Pürzlbach zum Ingolstädter-Schutzhaus (ca 4-5 Stunden reine Gehzeit, 11 km und 1.251 Höhenmeter zu überwinden)

Nach einen Blick in die Bergkarte und in ein Rother Wanderbüchlein, weiters nach Befragung von „Dr. Googel“ und lesen einiger Blogbeiträge (Blogbeitrag 1 , Blogbeitrag 2) war klar, dass man diese Tour von Oberösterreich aus nur in 2 Tagen und am Besten im Hochsommer (wegen Helligkeit) machen kann. Der Aufstieg von Pürzelbach zum Ingolstädter-Schutzhaus ist mit 11 km, ca 1.251 Höhenmeter in ca 4-5h Gehzeit berechnet. Von Oberösterreich nach Pürzlbach sind es ca 2h Fahrzeit, Anreise, mit dem Auto. Würde man den Abstieg am selben Tag noch machen und dann wieder mit dem Auto heimfahren, würde es sich um diese Jahreszeit noch im Hellen ausgehen, aber mit Sicherheit wäre es eine ziemliche Stress-Wanderung dann. Ich habe daher im Vorhinein eine Übernachtung im Schlaflager im Schutzhaus übers Internet (Ingolstädter-Schutzhaus-Webseite) gebucht. Der Plan war somit hochzugehen, dann im Schutzhaus zu übernachten und am nächsten Tag dann noch auf den großen Hundstod (2594 HM) hochzusteigen und dann runter zum Auto wieder und dann heimfahren. So war jedenfalls der Plan.

Kallbrunnalm, im Auenland

Bewaffnet mit meinen neuen Bergschuhen (alle die meine Instagam-Stories geschaut haben, haben das Kauf-Entscheidungs-Prozedere mitbekommen) – aja es sind Südtiroler geworden: Na wer erratet die Marke? – sind wir um ca 11:30 vom Parkplatz Pürzlbach (! ist kostenpflichtig, Automat steht beim Parkplatz), bei Weißbach bei Lofer aufgebrochen. Der Weg führte uns über Wiesen mit Kühen hinauf auf die Kallbrunnalm. So ca nach einer Stunde waren wir auf der schönen Alm und hätte ich es nicht besser gewußt, hätte es mich nicht gewundert wenn ein Hobbit hier aufgetaucht wäre. Die Alm erscheint wie das im Hobbit-Roman beschriebene Auenland.

Nach einer Stärkung bei der Alm, marschierten wir weiter Richtung Dießenbach-Stausee. Vorbei am Stausee durch den Wald bis zur Materialseilbahn des Ingolstädter-Schutzhauses (2.120 Höhenmeter).

Vom Dießenbach-Stausee zur Dießenbach-Scharte hinein ins Steinerne Meer

Der Weg quälte sich höher und höher. Zuerst durch Wald und dann durch Latschen und Steine.

Unterhalb der Dießenbach-Scharte mitten am steinigen Pfad bei pfeiffenden Wind auf ca 1.800 Höhenmetern gabs noch eine kleine Jause – mit Buchweizen-Kuchen, Nüssen und Dreh- und Drink –  welche wir mit hatten. (Dreh und Drink: Ja, wer kennt es noch? Das Zuckergetränke aus unserer 80/90er Kindheit.)

Müll-Thema

Ich möchte hier noch erwähnen, weil es mir wichtig ist, ich hoffe euch ist klar, wenn man Wandern geht dann nimmt man seinen Mist wieder runter mit. Das heißt man wirft nichts in der freien Natur weg und damit meine ich auch nicht mal ein Taschentuch. Alles was auf den Berg mit euch kommt sollte auch wieder vom Berg mit euch kommen. Warum fragt ihr euch? Nunja, es ist mal so, dass es am Berg keine Müllabfuhr gibt. Das heißt auch wenn nur 1 Wanderer seinen Müll liegen lässt, dann bleibt der Müll dort viele Jahre bis unendlich lang liegen und glaubt mir auch ein einziges weggeworfenes Taschentuch fällt bei dieser wunderschönen unberührten Natur auf. Ich bin Fan davon, dass unsere wunderschöne Natur so unberührt bleiben soll wie sie ist, damit wir alle auch in Zukunft etwas davon haben. Also, Müll einfach wieder mit nachhause nehmen. Ok! Einen tollen Beitrag zur Müll-Problematik am Berg bzw beim Wandern hat meine Bloggerkollegin -Travelwoman- geschrieben. Lest mal rein.

Das Ingolstädter-Schutzhaus in Sicht

Schon bald sind wir über der Scharte mitten im Steinernen Meer gestanden, mit einer atemberaubenden Sicht auf den Dießenbach-Stausee. Der Weg führte über einige Schneefelder und ab und an sind Helikopter über uns geflogen. Schon bald war das Ingolstädter-Schutzhaus von der Ferne sichtbar.

Ankunft und Übernachtung im Ingolstädter-Schutzhaus

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nach Ankunft beim Ingolstädter-Schutzhaus, nach knackigen 4h reine Gehzeit (gell gut waren wir!) schon noch motiviert gewesen wäre, direkt auf den großen Hundstod (2594 HM) hochzusteigen. Die „Ingolstädter-Schutzhaus-Hüttenleute“ allerdings, haben uns ziemlich bestimmt klargemacht: „Nur bis um 19 Uhr gibt es Essen.“ Auch wenn wir es ziemlich flott gegangen wären, hätten wir es nicht bis 19 Uhr geschafft. Die Entscheidung fiel daher auf Abendessen und am nächsten Morgen den Hundstod zu besteigen.

Die Nacht im Hüttenschlafsack war kalt. Dafür hatten wir unser eigenes Chalet neben der Ingolstädter Schutzhütte, während in den Schlafsälen des Schutzhause die Wanderer wahrscheinlich dicht gedrängt auf der Matratze nebeneinander schlafen mussten. Das Ingolstädter-Schutzhaus war nämlich angeblich restlos ausgebucht.

Definitiv ist es ein einmaliges Erlebnis in einem Chalet im Juli auf mehr als 2.000 Höhenmetern zu übernachten.

Das Steinerne Meer rund um unser Chalet und der Sonnenuntergang genau vor unserer Eingangstür mit Blick ins Tal zum Stausee atemberaubend. Ich hätte mich stundenlang am Anblick des Steinernen Meer baden können, wenn es nicht so kalt gewesen wäre. Trotz mehrerer Jacken war es nach Sonnenuntergang einfach winterlich kalt.

Weißwurscht-Frühshoppen auf der Kallbrunnalm

Der nächste Tag zeigte sich nebelverhangen und somit war ein Aufstieg zum Hundstod wieder nicht möglich. Schade. Darum führte unser Weg leider wieder direkt ins Tal. Dafür gab es dann auf der Kallbrunnalm ein deftiges Weißwurscht-Frühshoppen mit Blasmusik. Auch schön.

Zusammengefasst:

  • Wanderung vom Pürzlbach, Weißbach bei Lofer zum Ingolstädter-Schutzhaus
  • ca 11 km, 1.200 Höhenmeter, ca 4-5h reine Gehzeit
  • Landschaftlich einmalige Wanderung

Die Wanderung sollte man defintiv im Hochsommer machen, da länger Tageslicht.  Ich habe die Wanderung landschaftlich traumhaft empfunden. Die Weg-Markierungen sind super gut. Allerdings, hätte ich mir das Ingolstädter-Schutzhaus ein bisschen mehr gemütlicher und uriger vorgestellt. Leider, habe ich mehr das Gefühl gehabt dort oben läuft unflexibler Massentourismus ab, was ja eigentlich nicht so mein Stil ist. Nunja. Definitiv ist das Ingolstädter-Schutzhaus ein sehr wichtiger Stützpunkt für eine Überschreitung, mehrere Gipfel-Wanderungen und ein schönes Ziel für diese Wanderung ins Steinere Meer. Ich bin froh, dass die Hütte obwohl sie so hoch liegt, so gut bewirtschaftet wird.

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