Von der Tante dem Onkel ein bisschen Honig im Kopf und vom Zusammenhalten

Oftmals wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich einen alten Mann und eine alte Frau. Beide sind so ca Anfang 80 Jahre. Jedesmal wenn ich beide sehe und sie auseinander gehen und auch nur ein paar Meter drücken sie sich zärtlich ein Küsschen auf den Mund und die Wangen.

Sie sind wahrscheinlich schon viele viele Jahre ein Paar und sind durch dick und dünn im Leben gegangen und habe es doch geschafft sich gegenseitig wertzuschätzen, zu akzeptieren wie sie sind eben jeder für sich nicht perfekt. Ich stelle mir oft vor, dass das Liebe sein muss. Liebe zu einem Menschen der mit einem alle ups und downs meistert die das Leben so bringt und dennoch immer ein Lächeln auf der Lippe für sich selbst und seinen Partner hat, dass das Leben einfach nicht so ernst zu nehmen ist, dass man sich gegenseitig stützt und für sich da ist. Genauso stell ich mir die wahre Liebe vor. Miteinander lachen, streiten, sich hassen dürfen, Mitleid mit dem anderen haben, den anderen bewundern ohne das der eine oder man selber sofort davon läuft und sich für immer hasst.

„Zusammen halten egal was kommt,“ hat meine Omi mal zu mir oft gesagt.

Die Schwester meines Großvaters und beste Freundin meiner Oma hat bereits in sehr jungen Jahren geheiratet, nämlich den „Onkel“. Somit waren beiden immer der Onkel und die Tante, obwohl es ja eigentlich der Onkel und die Tante meiner Mutter war. Den Onkel könnte man als Sturkopf bezeichnen. Extrem aufbrausend, immer verbissen diskutierend auf sein Recht pochend. In seiner Welt gab es nur Schwarz und Weiß. Oftmals machte er uns Kinder mit seinem Wesen Angst.

Dazu die Tante der friedfertigste Mensch der mir je in meinen Leben begegnet ist. Ihre Geduld war grenzenlos und für jeden hatte sie ein liebes Wort. Als Kind verstand ich nie warum sich der Onkel und die Tante lieben konnten. Der Onkel für mich ein böser, Schreihals der mir Angst machte wenn ich mit meinem Kettcar um das Doppel-Haus meiner Großmutter fuhr, wo auch der Onkel und die Tante beiden wohnten, und wenn ich zu knapp an den liebevoll gepflegten Pflanzen vom Onkel vorbeifuhr brüllte er herum als wenn ich gerade das Schlimmste auf der Welt verbrochen hätte – dazu die Tante die ein so beruhigendes Wesen hatte, eine liebevolle Stimme, horchte jedem Kind zu und sagte nie etwas Böses zu uns.

Mittlerweile weiß ich die beiden brauchten sich auf eine Art und Weise die ich als Kind noch nicht verstand, schließlich waren ja Erwachsene perfekt. Ich denke wie der Onkel wußte, dass er manchmal zu stur und aufbrausend war, wußte die Tante dass sie manchmal zu lieb war und somit Menschen einlud sie zu verletzten. Als Paar gemeinsam waren sie die perfekte Ergänzung. Die Tante brachte den Onkel auf Grund ihrer ruhigen und liebevollen Art, zu einem für seine Umwelt und für sich selbst erträglichen Mass an Energie und der Onkel wiederrum gab der Tante die Kraft auch mal Nein zu sagen und für sich die Grenzen zu setzten.

Im Sommer sass die Tante, mit ihren dünnen Beinen, im Garten im kühlen Schatten und verrichtete Handarbeiten. Der Onkel wiederrum wusselte im Garten herum und man hörte ihn gewöhnlich quer, fast über den ganzen Garten zu unserer Doppelhaushälfte fluchen. Meine Großmutter die in unserer Gartenhälfte meist auch im Schatten sass, schüttelte oftmals den Kopf über das viele Fluche die der Wind da so vom anderen Garten rübertrug. Sie kommentierte das meist mit einem: „moj bože dragi: Der Martin, muss der immer so fluchen. Man kann sich doch wegen so etwas net so aufregen.“ Während die Tante ganz ruhig vor sich hin handarbeitete, kochte meine Großmutter schon innerlich. Ja das waren die Sommer meiner Kindheit an die ich mich erinnere.

Als die Tante dann Alzheimer bekam und sich über die Jahre dann nicht mal mehr an meine Großmutter wie auch an ihren Mann den Onkel erinnern konnte, spürte ich richtig wie das Herz meines Onkels und meiner Großmutter brach.

Wie unglaublich es sein muss, dass man einen Menschen mehr als 60 Jahre kennt, mit ihm alles aber auch alles erlebt hat. Angefangen vom Krieg der Flucht, die Tanzabenden, die Jugend, die harte Arbeit in der Voest, der Hausbau, die Gespräche über die Kinder und der Mensch der eben das alles erlebt hat mit dir kann sich nicht mehr erinnern, nur du selber weißt nur mehr wie es war.

Die Tante wurde immer schwächer und der Onkel pflegte sie. Er wurde auch von Jahr zu Jahr schwächer. War da niemand mehr mit der er sich austauschen kann, die er gebraucht hätte. Der Onkel wurde von Tag zu Tag sturer und wollte sich und der Tante aber auch keine Unterstützung geben lassen. Bis die Kinder eingriffen und eine Pflegedame im Haushalt erwünscht wurde.

Eines Tages starb dann die Tante. Plötzlich war die Tante und die Pflegedame weg. Die einzigen Bezugspersonen die der Onkel noch hatte und irgendwie stürzte dann seine Welt denke ich endgültig ein. Er suchte noch Halt bei meiner Großmutter, die ihn aber nicht die Ruhe vermitteln konnte die er brauchte. Nun liegt er in einer Reha-Station wird künstlich beatmet, künstlich ernährt und wir Angehörige wissen, dass er bald sterben wird. Der Tante folgend, da wo sie jetzt ist, weil er doch das ganze Leben lang bei ihr ist und sein wird.

Meine Großmutter hat bitterlich geweint, als sie ihn so liegen sah. Sie ist jetzt Mitte 80 und wenn ich das gesehen hätte, was sie bereits im Leben gesehen und gefühlt hat, werde ich erst verstehen wie schlimm es sein muss – 2 Menschen die einem soo lange, mehr als 60 Jahre, begleitet haben zu verlieren, weil das Leben eben endlich ist in all seinen Emotionen, Gefühlen, Erinnerungen. Dennoch fühle ich bereits jetzt mit ihr und bin stolz auf sie, weil sie hat es erleben dürfen, dass 2 Menschen sie solange (im wirklichen (offline) Leben) begleitet haben, was in unserer heutigen Welt keine Selbstverständlichkeit mehr ist.



 

Anmerkung der Autorin: Du hast hier gerade ein Sammelwerk an Gedanken die sich zu Geschichten aus Traumwelten, Realitäten zusammengetragen haben gelesen. Geschichten die selber passiert sind, die mir zugetragen worden sind. Geschichten die Erfahrungen sind, die maßlos übertrieben wurden, aber vielleicht doch einen Funken Wahrheit haben. Zur Unterhaltung, zum Lachen, zum Nachdenken. Offen, verträumt, direkt, sexy – keine Ahnung – irgendwie sowas. Was wahr oder unwahr an den Texten und Geschichten sind, überlasse ich Euch und Eurer Fantasie. Kopfkino ist doch was schönes und jeder hat sein eigenes. Mehr solcher Texte/Geschichten findest du in meiner Rubrik: Kurzgeschichten | Texte hier in meinen Blog. Wer weiß vielleicht wird mein großer Traum wahr und ich darf irgendwann mal all diese Geschichten | Texte | Gedanken als einen erfolgreicher Roman oder so publizieren. Wenn mich wer verlegen will, wenn jemanden wen kennt wer meine Geschichten/Texte abdrucken will – kontaktiert mich. Mehr Infos zu den Beweggründen meiner Schreiberei und meinem großen Traum:  HIER

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