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Bibliothek: Tag 2 von 90

Während ich gerade mein Linsencurry, was ich mir heute zMittag vom Inder geholt habe genieße, gehe ich meinen Tag gedanklich durch. Außerdem tippe ich diese Zeilen. Puh, schon wieder drei Sachen gleichzeitig.

Nicht gut! Ich esse zuerst und dann schreibe ich. Ok?

So also das Linsencurry ist nun Geschichte. Es war wiedermal ausgezeichnet und ich bin jetzt so unfassbar voll, obwohl es nur die halbe Portion von heute zMittag war und ich schon weit vor dem Völlegefühl zum Essen aufgehört habe. Auch so ein Selbstliebe-Ding, was ich in meinem 90 Tage Selbstversuch beachten möchte, auf meinen Körper wieder mehr hören und aufhören zu essen, wenn ich voll bin – egal wieviel noch am Teller ist.

Mein Vater hat mich vorhin am Telefon gefragt, während ich spazieren war „ob ich eh den Inder was gscheids gefragt hab.“ Er musste dann selbst über seinen seichten Scherz lachen, den ich gefühlt schon 1 Mio mal gehört habe, und mir wurde ein bisschen warum ums Herz, weil es mir eine Freude macht, dass mein Vater versucht jeden Tag immer irgendwie fröhlich zu sein und gerade wenn er unsicher ist oder nicht weiß was er sagen soll, mit einem Scherzal andere oder auch nur sich selbst zum Lachen bringen will.

Eine Eigenschaft von meinem Vater, die ich erst im Alter schätzen gelernt habe.

Wenn mein Vater seine Scherzal auspackt und auch keine Scheu davor hat auf Menschen zu zugehen und mit ihnen zu reden – so wie ihm der Schnabel gewachsen ist, Fragen zu stellen, egal welchen Rang oder Status sie haben, find ich das toll.

Es braucht nämlich eine gehörige Portion Interesse, Aufmerksamkeit und Neugierde um das zu tun und Menschen die mit sich im Reinen sind, merken eh, dass er es gut meint und definitiv keine böse Absicht dahinter hat. Außerdem habe ich neulich die Biographie von Monika Gruber gelesen, sie beschreibt ihren eigenen Vater fast genau so wie mein Vater ist und mir ist da wirklich, wirklich warum ums Herz geworden.

Wenn ich es mir so überlege, bin ich mit meinem Elternhaus gesegnet und wahrscheinlich kommt meine Art von Humor von dort. Immer dann wenn wir in Situationen sind, die uns überfordern, die uns traurig machen, kommt sicher irgendwo ein Scherzal oder eine sarkastische Bemerkung daher, die den unglücklichsten oder wütendsten Menschen in der jeweiligen Situation mit Sicherheit zum Schmunzeln bringt. Das ist und war die Art von Kommunikation meiner Familie, wie mit Emotionen umgangen wird.

Trotzdem ist eine bisal tiefere Kommunikation, irgendwann mal bei größeren Belastungen unausweichlich – bei mir jedenfalls so. Ich habe für mich lange gebraucht, bis ich solche Gespräche dann auch zulassen konnte bzw auch selber geführt habe und ich schwöre euch, es war und ist für mich nach wie vor bei manchen Themen schwierig, aber das ist ok so.

Jeder Mensch hat täglich verschiedene Themen für sich zu bewältigen und jeder darf und kann sich unterschiedlich Zeit dafür lassen. Sich öffnen und darüber zu kommunizieren braucht viel Mut, das kann und darf durchaus dauern. Manche allerdings schauen nie hin oder haben einfach zu viel Angst sich zu öffnen. Ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Mich würde es extrem einsam machen und auch belasten.

Kurzum, ich hab die Art von Humor meiner Familie sehr gerne, obwohl oftmals schon ziemlich trivial. Allerdings auch trocken, bissig und sarkastisch in den unmöglichsten Situationen, dadurch für mich zum Schreien komisch.

So und merkt ihr grad was? Ich „schwaffle“ schon wieder, lenke schon wieder von mir ab – schrecklich mit mir! Also zurück zum Fokus: Selbstliebe.

Bin heute relativ gut aus dem Bett gekommen. Üblich Morgenroutine und dann zur Bim – ja, ich fahre noch Öffi. Meine aktuelle Spotify-Playliste hat mir einen ziemlich guten Mood ins Gesicht gezaubert. Mit Electro genauer Tube & Burger bzw Ben Böhmer, habe ich mich irgendwo in Berlin in einen Industriesaal geträumt oder nach Prag im Sommer mit einer mega Auflegerei und ich mitten drinnen, der Beat geht geschmeidig wie mein Herzschlag. Der Bass schiebt mich, ich fühl mich frei, ich tanz mir den Arsch aus der Seele. Ich tanze wie in trance, ich schwitze, ich tanze, ich grinse – Lebensgefühl, Freeeiheit – träumen tut so gut.

Ausstieg Volksgarten, Linz – Wetter moderat – nach wie vor Corona-Pandemie. Zurück zur Realität.

Ich verschwinde für die nächsten Stunden im Büro und zMittag hol ich mir was vom Inder, den ich nur nach guten Essen frage, zuvor laufe ich aber zum Kopf auslüften einmal die Landstrasse hoch und schau bei der Kosmetikerin vorbei.

Durch Zufall begleitet mich eine Kollegin, die es das erste Mal zulässt, dass sie mit mir länger spricht. Es macht mich ein bisschen traurig und hat mich auch ein bisschen enttäuscht, weil ich realisiere bzw bestätigt bekomme, dass sie deswegen so ekelig von Anfang an zu mir war, da sie mich als Bedrohung sieht und anstatt aufrichtig mit sich selbst zu sein, ihren eigenen Selbstwert zu speisen, hat sie ihre kindische, verletzende Zickerei, monatelang an mir ausgelassen. Ich weiß noch nicht, was ich damit nun anfangen soll außer, dass ich vielleicht akzeptieren muss, dass ich nicht alle Menschen verstehen muss, mir den Kopf zerbrechen oder mich für deren Selbstentwicklung verantwortlich sehen sollte.

So also wieder zurück zu mir. Am Abend hab ich dann bei der Landesbibliothek vorbeigeschaut. Ich hab seit heute nun wieder einen Bib-Jahresausweis dort. Wie sehr ich doch Bibliotheken liebe. Ich kann es so schwer beschreiben: Es ist das ruhige, stille Wissen, dass da in den Büchern ist und nur durch mich und meine Gedanken in der Geschwindigkeit, so wie ich das will, zum Leben erweckt werden kann.

Landesbibliothek OÖ in Linz März 2021

Ich bin stundelang oben im Freihandbereich gestanden bei den Psychologiebüchern und das dürfte euch wohl klar sein, wenn ich so ein Thema wie Selbstliebe in einem Selbstversuch angehe, dann lese ich mich ein. Ich mag den größtmöglichen Output in den 90 Tagen – jetzt nur mehr 88 Tage – für meinen Selbstversuch haben. Ich habe unzählige Bücher in der OÖ Landesbibliothek zum Thema „Selbstliebe“ gefunden und ich bin auch draufgekommen, dass ich wohl die wichtigsten Werke schon gelesen habe bzw. in meinem eigenen Bücherregal zuhause stehen, aber auch einige Werke habe ich noch nicht gekannt.

Auf Grund meines aktuellen Wissenstands ist mir schon klar was Selbstliebe ist, Theorie und Praxis sind dann halt immer zwei paar Schuhe, außerdem kann man ja nie wissen ob man in der Theorie einen Aspekt übersehen hat – also ich will nix übersehen, ja ich weiß die Perfektionistin schlägt schon wieder zu – darum habe ich mir 9 neue Bücher zum Thema Selbstliebe ausgeborgt.

Bücher in der Landesbibliothek OÖ

Nicht schrecken, bei vielen habe ich nur einzelne Kapitel spannend gefunden, die ich die nächsten Tage nachlesen möchte, damit ich mir im Klaren werde, wie ich meinen Selbstversuch nun fortführe. Was ich noch ergänzen möchte, in der Bibliothek ist mir wieder aufgefallen, dass die Selbstliebe nichts Neues ist. Man mag nicht glauben, wie alt manche Bücher über die Selbstliebe sind und wir müssen ja das Rad nicht neu erfinden – richtig? – sondern einfach nur korrekt, in dem Fall für mich, anwenden.

Wollt ihr die Bücher hören, die ich zum Thema Selbstliebe aktuell bei mir liegen habe?

So aber jetzt muss ich schlafen gehen. Eh schon wieder viel zu viel geschrieben.
Neuer Tag, neues Glück. Hören uns morgen!

Namaste