Tschechien und ich könnten ein ganzes Buch schreiben. Seit sich der Eiserne Vorhang mit 1989 zu Österreich geöffnet hat, ist meine Familie mit mir nach Tschechien gefahren. Vor ein paar Wochen war ich ebenso in Tschechien und was ich erlebt und gelernt habe wird hier nun zusammengefasst.

Kindheitserinnerungen

Ein billiges Land hat es immer geheißen. Mit dem Auto ging es von Linz übers Mühlviertel nach Tschechien. Ab der Grenze wurde meist alles grau in grau. Wie wenn man, von einem lustigen Farbfilm plötzlich auf einen schwarzweiß Thriller umschaltet. Von der Grenze weg an der Straße bis nach Kaplice haben sich an jedem Baum Frauen angelehnt. Sie haben auf das Geschäft mit den Österreichern gewartet.

In Kaplice wurden wir von Kinder Horden belagert die Schillinge erbettelten. In Trebon haben wir in windschiefen Hotels übernachtet, mit Balkonen die außen herunterfielen wenn man sie betrat. Die Straßen waren menschenleer, holprig, und schmutzig. Überall wurden willkürliche Preise verhandelt, für Dinge die nicht mal zum kaufen würdig waren. Der Kronen-Wechselkurs hing von einer instabilen Wetterlage ab.

Viele Menschen auf der Straße hatten eine eiserne Miene, fast böse, und oftmals mit Alkohol-Fahne. Herzlichkeit, Gelassenheit spürte ich als Kind dort selten, eher Strenge.

Ja, so haben Tschechien und ich miteinander gestartet.

Tschechien als Urlaubsland war daher sehr lange von meiner bevorzugten Reise-Landkarte gestrichen. Na klar, war ich in Prag und vielen Ortschaften in Tschechien, aber warm geworden bin ich mit dem Land nicht wirklich, obwohl meine Vor-Vorfahren Böhmen gewesen sein mussten. Mein Nachname ist nämlich ein tschechischer.

Zukunftsaussichten

Durch die damalige Grenz-Öffnung wurde die verheerende Wirtschaftslage im Vergleich zu Österreich enorm sichtbar. Als marktwirtschaftlich geprägtes Österreicher-Kind war das damals ein absoluter Schock für mich, der mir auch Angst machte.

Ich brauchte mehrere Jahre Wirtschafts-Studium, dass ich erkannte wie viel Charakter und Persönlichkeit diese Ost-Länder auf Grund ihrer wirtschaftlichen Geschichte haben. Auch lernte ich im Laufe des Studiums über mein Erasmus-Programm in Schweden und in Alpbach junge sehr gut ausgebildete Tschechen kennen, die sehr ambitioniert neue Ideen im Land umsetzten wollten.

Tschechien heute

Letztes Jahr war ich dann beruflich das erste Mal seit langem wieder in Tschechien. Könnt ihr euch erinnern, hab darüber kurz geschrieben?

Genauer war ich in Brünn und ich war positiv überrascht.

Die zweitgrößte Stadt von Tschechien hat sich farbenfroh, sauber, dynamisch und richtig hübsch präsentiert. Das hat mich sehr überrascht, da auch die Werbung die über Tschechien in Österreich gemacht wird, eher altbacken – fast nur auf Schlösser und Klöster ausgelegt – ist.

Definitiv nach der Brünn Reise hat mich Tschechien begeistert. Für mich war klar in dem Land tut sich was. Tschechien ist mehr als ein Land mit billigen Bier und Wellness-Tempeln nach der österreichischen Grenze mit Happy End oder einer Anreihung von Kirchen als Reise-Highlight.

Als ich Anfang des Jahres eine Email vom tschechischen Tourismusverband in Wien erhalten habe, dachte ich mir es wird Zeit ein neues Kapitel für mich und Tschechien aufzuschlagen. Tschechien hat eine Chance verdient.

So bin ich alleine als einzige Österreicherin zu einem der größten amerikanischen online Marketing Konferenzen im Tourismusbereich nach Ostrava tief nach Tschechien bis an die polnische Grenze gefahren.

Die Zugreise war sehr angenehm. Bis nach Wien bin ich mit einem modernen ÖBB Railjet und ab Wien mit einer osteuropäischen Bahn ohne Klima im 6er Abteil mit roten Rüscherl-Vorhängen und nicht dazu passen wollenden grünen Sitzbezügen gefahren. Ok über Geschmack lässt sich streiten. Definitiv hatte der Zug irgendwie funktionalen 70er Charme.

Taxi fahren in Tschechien:

Am späten Abend, frühe Nacht bin ich in Ostrava am Bahnhof angekommen. Da ich weiß, dass in Ost-Ländern Taxi fahren ein riesen Drama werden kann, habe ich mich schon vorab informiert wieviel ca eine Fahrt – standardgemäß laut Taxometer – mit dem Taxi vom Bahnhof zum Hotel kosten kann.

Da mein Hotel, welches ich über e-bookers in Ostrava gebucht habe, ein gehobeneres Hotel war, war anzunehmen, dass der Taxler annehmen wird, dass ich eine reichere Touristin bin und somit es für sich als ok empfindet, mir gleich den doppelten Preis zu verrechnen bzw mich Stadt-Ahnungslose kreuzundquer durch die Stadt ungefragt zu kutschieren.

Versteht mich nicht falsch, ich gebe gern gutes Trinkgeld, wenn die Fahrt passt, aber ich finde es eine Schweinerei wenn mir von Haus aus etwas höher verrechnet wird, was ich nicht wollte, ich verscheissert werde, weil irgendeiner annimmt ich wäre reich, als mich direkt zu fragen oder mit mir den Preis einfach in Vorhinein auf Augenhöhe abzusprechen.

Darum wollte ich auf die Taxisfahrt vorbereitet sein. Am Bahnhof habe ich mir mal Kronen vom Bankomat besorgt. Direkt am Bahnhof sind Bankomaten. Mit Kronen lässt sich nämlich besser verhandeln. Der Euro ist im Vergleich zur Tschechischen Krone einfach um ein Vielfaches mehr Wert und darum ist es immer besser mit Kronen zu verhandeln.

Meine goldenen Taxifahr-Regeln in ost- bzw südlichen Ländern:

  • Vorher sich übers Internet oder Einheimische (zB Hotel wo man übernachtet, Freunde die dort wohnen) informieren wieviel ca eine Taxifahrt kostet.
  • Immer Preis vorher mit dem Taxler absprechen bevor man überhaupt einsteigt. Steigt nicht ein, bevor der Preis verhandelt ist! Manche wollen bewußt, dass man einsteigt bevor was abgesprochen wurde, damit sie dann einen höheren Preis verlangen können.
  • Wenn der Preis komisch erscheint, weiter Verhandeln und Fragen stellen.
  • Den Preis unbedingt vom Taxler nochmals bestätigen lassen, wenigstens in mündlicher Form.
  • Niemals mit großen Scheinen zahlen, sondern genau zahlen und am besten Cash und in der jeweiligen Landes-Währung, weil sonst kann es sein, dass man das Geld nicht mehr zurück bekommt.

Und doch passiert es manchmal obwohl ich diese Regeln beachte, dass ich übers Ohr gehauen werde, weil ich einfach in einer schlechten Verhandlungsposition bin.

Zum Beispiel in Ostrava stand ich alleine mitten in der Nacht als Frau am Bahnhof. Ich konnte die heimische Sprache, Tschechisch, nicht sprechen. Deutsch wie auch Englisch hat keiner dort verstanden. Der Sicherheitsgrad für Frauen in der Nacht war mir unbekannt.

Blöde Ausgangssituation die der Taxler total ausgenutzt hat. Er hat mir den doppelten Preis, als der Standardtarif ist, für die Fahrt verrechnet. Protest hätte nichts gebracht, da ich sonst in der Nacht alleine mit Gepäck mitten auf der Straße in Ostrava gesessen wäre.

The Honest Guide – 2 Tschechen decken auf und geben Tipps:

Genau solche Machenschaften und Beschiss decken zwei junge tschechische Youtuber aus Prag auf. Janek und Honza, die sich auf Youtube „THE Honest Guide“ nennen, die ich auf der Konferenz dann in Ostrava persönlich kennengelernt habe, machen ehrliche Dokumentations-Videos. Dadurch warnen sie sehr viele Leute. Toll!

Schaut mal rein!

Liftago-App zum sicheren Taxi fahren in Tschechien: Mein absoluter Tipp:

Um sicher in Ostländern von A nach B zu gelangen gibt es die App Liftago. Die App ermöglicht es, ohne über den Tisch gezogen zu werden, mit dem Taxi zu fahren. Mir wurde die App von den Tschechen auf der Konferenz empfohlen und ich muss sagen großartig. Die App ermittelt seinen Standort und dann kann man sich Angebote einholen von Taxis die gerade in der Umgebung sind. Es ist sozusagen möglich Angebote zu vergleichen und dann kann man zusagen und der Taxler holt einem ab und nimmt einem mit zu dem ausgemachten Ort. Bezahlt werden kann mit Kreditkarte oder Cash mit Kronen.

Zug fahren in Tschechien:

Bei der Konferenz in Ostrava habe ich auch RegioJet kennengelernt. Eine innovative Bahnlinie, ähnlich wie Westbahn, die der staatlichen tschechischen Bahn durch moderne Züge mit günstigen Ticket Preisen die Stirn bietet. Ab Wien nach ganz Tschechien kann man fürs günstige Geld Tickets online buchen.

Ostrava, Alt trifft Neu

Mein Hotel – Jan Maria 4 Sterne – in Ostrava war ok. Es war sauber und das Bad geräumig. Auch das Frühstück war mit sehr viel Liebe und was das Herz begehrt zubereitet. Für ein oder zwei Übernachtungen ganz passabel.

Das Hotel liegt in Fussnähe zur Straßenbahn-End-Haltestelle „Hranecnik“. Mit der Straßenbahn kann man dann sehr gut in die Stadt fahren, wobei ich hier anmerken muss, wenn ich nicht soviel Unterstützung gehabt hätte, seitens den lieben Leuten die ich auf der Konferenz kennengelernt habe und die Tschechisch lesen können wie auch sprechen, wäre ich im öffentlichen Verkehrsnetz aufgeschmissen gewesen. Ostrava als die drittgrößte Stadt von Tschechien, ist ca so groß wie Linz, also nicht so groß, aber dadurch, dass alles nur auf Tschechisch, was eine Anreihung von czzcz für mich sind, angeschrieben ist und kein bisschen auf Englisch, macht die Sache nicht unbedingt leicht.

Die Konferenz selbst hat am Gelände „Dolni Oblast Vitkovice“ stattgefunden und ganz ehrlich, als ich schon auf das Gelände zuging, ist mir fast die Spuke vor Staunen weggeblieben.

Dolni Oblast Vitkovice

Ostrava hat so wie Linz mitten in der Stadt ein Stahlwerk stehen. Allerdings ist dieses Stahlwerk nicht mehr in Betrieb. Stellt euch vor, wie wenn die voestalpine nicht mehr arbeiten würden aber die Hochöfen und die Gebäude rundherum einfach noch da sind. Ja und so ist es in Ostrava. Ostrava hat aber dieses enorme Stahl-Gelände erfolgreich mit neuem Leben gefüllt. Es werden dort Veranstaltungen wie auch Konferenzen abgehalten und ich kann euch nur sagen das Ambiente ist einfach nur großartig.

Colours of Ostrava

So findet einmal im Jahr das Colours of Ostrava statt, ein gigantisches Festival mit tollen bekannten, internationalen Künstlern. Leider war ich selbst noch nie dort, aber Bekannte und Freunde von mir haben schon berichtet, dass es großartig ist. Die Bloggerin Claudia, Claudiaontour, hat das Festival bereits erlebt und darüber geschrieben. Bei ihr könnt ihr einen Bericht aus erster Hand darüber lesen.

Jedenfalls das Gelände ist beeindruckend und ja die Konferenz war großartig. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll zu berichten. Über die Hammer-Vorträge über online Marketing, Content Marketing? Über die geniale Verpflegung während der Konferenz. Das Abend-Rahmenprogramm? Ich habe so unfassbar liebe, dynamische, moderne Menschen aus Tschechien (Ostrava, Prag, Brünn uvm.), USA, Irland kennengelernt. Alles digital Journalisten, (online) Marketing-Leute, Content Maker, Blogger so wie ich. Ich möchte die Konferenz nicht zum Haupt-Thema für diesen Blogartikel machen, es würden den Rahmen sprengen darüber auch noch zu berichten, kurzum es war genial.

Ich hatte großartige Tage in Tschechien, mir wurde die Stadt Ostrava so sympathisch und spielerisch gezeigt. Mein Bild von Tschechien in nun komplett in einen neuen Rahmen gerückt. Ich denke es werden in nächster Zeit noch mehr Reisen nach Tschechien folgen, wo ich euch das junge, dynamische, moderne Tschechien zeigen möchte. Ja, ich muss ehrlich gestehen Tschechien als Urlaubs-Destination ist nun wirklich in meinen Fokus gerückt.

Aber erzählt mal, was sind eure Erfahrungen mit Tschechien? Welche Erinnerungen habt ihr mit Tschechien? Wart ihr schon mal auf Urlaub in Tschechien? Was habt ihr da gemacht?

Ostrava


Danke an Czech Tourism, für die tolle Veranstaltung in Ostrava. Hinsichtlich Transparenz: Ich habe mir von vorne bis hinten alles selbst bezahlt. Das Einzige was mir gesponsert wurde sind die Zugtickets von Linz nach Ostrava. Vielen Dank dafür.