Segeltörn Sardinien: 5 Dinge, über die definitiv keiner so gerne vor bzw nach einem Segeltörn spricht

Mein Traumurlaub ist zu Ende. Alle die mir auf Facebook bzw Instagram gefolgt sind, wurden die letzten Tage mit „Sonnenschein-Meer-Spam“ überflutet. Ich war privat unterwegs, ich wollte mal so richtig Urlaub machen und eigentlich hatte ich nicht vor, darüber zu schreiben oder etwas zu posten. Aber wie das so ist als Digital-Journalist, Online-Marketer, Blogger, wenn man es aus Leidenschaft tut, juckt es einen eigentlich immer im Finger etwas online zu stellen.

Ja, ich war auf einem Segeltörn entlang der Costa Smeralda rund um die La Maddalena Islands. Dieses Segelrevier gilt als eines der SCHÖNSTEN im Mittelmeer, und es wird auch behauptet nur die Reichen und Schönen bewegen sich dort. Beides bin ich nicht, aber ich war auch da.

Mein besonderer Segeltörn in Sardinien

Ich habe mir bereits letztes Jahr bei meiner Reise in Sardinien –ich verlinke euch hier nochmals meinen Sardinienbericht– gewünscht, Sardinien mit dem Segelschiff erkunden zu können. Damals hat es nicht geklappt, aber wie bei so vielen Dingen im Leben, wenn man dran bleibt und immer wieder darüber kommuniziert, erfüllen sich die Wünsche irgendwann mal. In dem Fall hat mich eine Freundin (Danke dafür meine Liebe <3) auf den Törn angesprochen, und ich hatte die Chance mitzusegeln. Insgesamt 9 Leute inklusive Skipper waren wir auf einer Bavaria 46, dh 14,45 m lang und 4 m an der breitesten Stelle breit, die wir uns am Hafen von Portisco für eine Woche geliehen haben.

Ich wurde bereits im Vorfeld mehrmals von vielen Freunden und Bekannten gefragt, wie das so mit Segeln ist, wenn so wenig Platz da ist für so viele verschiedene Menschen. Ich wurde gefragt, ob das wirklich so toll und entspannt ist wie all die Fotos und Werbungen zeigen. So quasi permanent lachende und herzliche Gesichter in einer Traumkulisse unter Segeln.

Ich habe ja bereits vor einigen Wochen in meinen Social Media Kanälen wie auch auf der Startseite auf meinem Blog ein Join-The-Crew Werbevideo von dem Segel-Revier, in dem ich jetzt unterwegs war, gezeigt. Auch das Werbe-Video zeigt nur lachende Gesichter. Hier nochmals das kurze Video:

Aber ist das wirklich alles so wie im Video gezeigt? Ist mit so vielen Leuten auf engsten Raum, am Segelschiff wirklich alles so entspannt, immer Sonnenschein und schön?

Segelurlaub Luxus-Urlaub: Erwartungen

Ich sag mal JEIN. War ja nun nicht mein erster Törn, und jetzt darf ich ja mal ein paar eigene Erfahrungen dazu austauschen. Inwiefern man also diese Urlaubsform als genial ansieht, kommt auf die eigenen Erwartungen drauf an. Für mich jedenfalls kommt es knapp an genial ran, wobei ich die Abwechslung liebe. Also immer nur Segelurlaub könnte ich mir zum Beispiel nicht vorstellen.

Man muss sich bei einem Segeltörn schon bewusst sein, dass man eben am Schiff mit 8 weiteren Leuten permanent auf Kuschelkurs wegen der Schiffsenge ist, und man sollte auch sehr situationselastisch bzw sich bewusst sein, dass so ein Segeltörn schon eher einem Campingurlaub als einem Luxusurlaub gleicht. Aber ich sag ja immer: was ist schon Luxus, das möge bitte jeder für sich selbst definieren. Für ein bisschen Abenteuer, Individualismus und traumhafte landschaftliche Perspektiven bin ich gerne bereit, mit gewissen Annehmlichkeiten, die echt oftmals überbewertet werden, zu tauschen.

Bevor ich euch daher in diesem Blogbeitrag nochmals erzähle wie genial und wunderschön ein Segelurlaub ist, möchte ich mal die Dinge ansprechen, über die sonst keiner so gerne spricht, aber die scheinbar von Interesse bei vielen von euch sind. Eben die Dinge, die vielleicht ein kleiner Abtörner für den Friede-Freude-Eierkuchen-Segeltörn sind, aber mindestens genauso zu jedem anständigen Törn dazugehören und somit Segel-Anfängern ein bisschen mehr Realität vermitteln sollen als all die Werbe-Videos. Also lasst uns anfangen:

Kochen und Abwaschen

Bei einem anständigen Törn im Sommer im Mittelmeer ist man hoffentlich meistens draußen am Meer und sonst in einer wunderschönen Bucht. Unter Deck gibt es eine funktionale Küche, und pro Tag sind meistens 2 Personen zum Kochen eingeteilt. Für somit 9 Leute in einer Mini-Mini-Küche unter manchmal gutem Seegang zu kochen, kann zur Herausforderung werden. Zumal unter Deck auch keine Klima-Anlage ist und es daher zusammen mit der Koch-Hitze mega heiß wie in einer Sauna wird. Kurzum für Ungeübte kann Kochen unter Deck eine echte Herausforderung werden. Allerdings schweißt gemeinsames Kochen unter Deck als Team wirklich zusammen. Sozusagen Schweiß-Brüder und -Schwestern wird man dann. 😀

Am Topf im Meer

Wollen wir kurz über die Fäkalien-Situation sprechen. Auf einer Bavaria (bin noch nie mit einer anderen Yacht gesegelt) in der Größe wie wir sie hatten, gibt es zwei Toiletten, die für jeden Menschen ab 1.70 kein Ort sind wo man sich länger aufhält. Die Bezeichnung Toilette ist in dem Fall auch fast zu luxuriös. Sagen wir mal es ist eine Station die es ermöglicht etwas loszuwerden, was die restliche Crew nicht mitbekommen sollte. Jedoch sind diese Stationen für den Gebrauch nicht so ganz einfach.

Man muss manuell Wasser reinpumpen und danach manuell alles wieder rauspumpen bzw kommt dann auch noch der Seegang dazu. Vorallem ist das Fassungs-Volumen dieser Station nicht wirklich groß. So kann es sein, dass man durchaus leicht ins Schwitzen kommt, weil man Angst hat es kann was unabsichtlich übergehen. Alles Themen, die man nicht unbedingt mit den restlichen 8 Leuten kommunizieren möchte, da mit Sicherheit der Fäkalien-Ausstoß zu den privatesten Momenten einer gepflegten Frau wie auch eines gepflegten Mannes gehören. Die Benützung dieser Stationen ist also nur wirklich meines Erachtens im äußersten Notfall, also unter Segeln, gegeben.

Ansonst sind im Hafen, wenn man anlegt, richtige Toiletten zur Verfügung oder sonst das Meer selber. Ja klar, das Meer selber! Weil auch die Fäkalien aus der Station läufen ins Meer rein. Also am besten nicht unbedingt schwimmen gehen, wenn ein Crew-Mitglied eine der Stationen benutzt. Ein gutes Indiz, dass Fäkalien gerade schwimmen ist auch, wenn mehr Fische als sonst um die Yacht sind. Fische lieben nämlich die Nährstoffe draus … ok jetzt wirds ekelig. Ich höre schon auf. Was ich damit sagen will, mir war es am Ende der Woche dann fast schon zuviel, diese Enge auf der Yacht und die „Toiletten“-Situation. Es gibt einfach gewissen Dinge, die ich über andere Menschen – auch wenn ich sie noch so gerne habe – nicht wissen mag, und das ist ihr Fäkalien-Ausstoß. Man muss damit echt umgehen können.

Alte Matratzen

Gerade wenn man eine Yacht chartert, muss man sich bewusst darüber sein, dass die Liege- und Sitzflächen jede Woche von anderen Menschen benutzt werden. Ist die Yacht daher schon länger im Einsatz, sind die Liege- und Sitzflächen dementsprechend schon stark abgenutzt. Auch der Überzug mit Leintuch oder das Liegen mit (Hütten)-Schlafsack macht die Situation nicht anders. Sprich die Liege- und Sitzflächen sind halt keine wirklichen Betten, sondern wie halt auch auf einer (Berg)Hütte bzw wie wenn man campen geht einfach nur eine Möglichkeit sich hinzulegen, aber nicht mehr. Da ich während Segeltörns nachts nie viel schlafe und wenn dann sehr kurz, hat mich die Matratze nur max 5-6h gesehen. Ab und an habe ich dann morgens an Deck ein paar Stunden bzw in allen möglichen Winkeln und Körperstellungen – was eben die Yacht hergibt – gedöst. Wenn wir geankert haben oder die Möglichkeiten hatten ins Meer zu springen, habe ich diese Möglichkeit sofort genutzt, dann war auch die Müdigkeit mit einem Schlag weg, und man ist wieder frisch.

Stinkiger Kühlschrank

Der Kühlschrank auf den Bavarias ist so eine Sache. Er ist eine Klappe auf der Arbeitsfläche in der Küche. Der Kühlschrank hat ein gutes Fassungsvermögen allerdings sammelt sich irgendwann in kurzer Zeit, trotz aller Pflege, die Feuchte und im Kühlschrank fängt alles an zum Schwimmen, was einhergeht mit Schimmel-Gestank. Bei allen Segel-Törns mit einer Bavaria war der Kühlschrank immer dasselbe und die eigekauften Lebensmittel, von denen man abhängig ist, werden dann ekelig stinkig.

Nervige Crew

Ich würde mal sagen der Erfolg eines Segeltörns hängt zu 80 % von der Crew ab. Hat man eine Scheiß-Crew erwischt, kanns anstrengend werden. Mega anstrengend. Menschen sind halt verschieden, und wenn man so eng aufeinanderhockt, kommen halt die Verschiedenheiten umso schneller raus. Es ist wichtig die Verschiedenheit jedes einzelnen anzunehmen, auch wenn`s einen bis in den Wahnsinn treibt. Gerade bei einem Segeltörn muss man da einfach drüber stehen. Ist ja nur für eine begrenzte Zeit, dass man so aufeinander hockt, also warum darüber aufregen. Schwierig wird’s allerdings, wenn es Menschen gibt, die eben diese Verschiedenheit bei anderen nicht akzeptieren und vergessen, dass sie selber auch nicht perfekt sind, dann ist Ärger vorprogrammiert.

Salz und Dusche

Die Bavaria hat insgesamt 3 Duschen mit Süßwasser an Bord. Zwei Duschen drinnen und eine draußen am Achter-Deck beim Bade-Einstieg. Satte Duschen sind das keine. Man muss sich das wie eine Camping-Wagen-Dusche vorstellen. Halt gerade recht zum Saubermachen. Dass ständig 9 Leute, jeden Tag lange mit Süßwasser duschen gehen ist leider nicht drinnen, da sonst ziemlich schnell alle Süßwasser-Vorräte aufgebraucht sind und man dann am Hafen (Anlegen ist mit Kosten verbunden) anlegen müsste. Gerade wenn man also vor hat mehr Buchten-Segel-Urlaub zu machen ist ein ständiges Hafen-Anlegen nicht so sinnvoll. Im Hafen wiederum gibt es auch anständige Duschen bzw Toilett-Räume. Kurzum, die Tage, an denen man zu einer satten Süßwasserdusche kommt, sind eher gezählt. Meistens wird gebadet im Meer die Haut bleibt voller Salz, was trocknet und am nächsten Tag wird das Spiel wiederholt. Durch Meer und Wind waren nach dem Törn meine Haare eher eine Sandburg, und es ist nach wie vor das ganze Salz nach mehrmaligem Waschen noch nicht ganz draußen. Ich möchte euch damit sagen, man muss es mögen, dass man beim Segeln wirklich keine Luxus-Tussi sein kann.

Ihr habt nun noch immer so richtig Lust drauf diese geniale Urlaubsform auszuprobieren? Ihr kennt keinen Skipper, wollt es aber trotzdem ausprobieren? Also ich kann euch da den Anbieter Join-the-Crew empfehlen. Ich selbst war mit denen noch auf keinem Segeltörn, aber unser Skipper auf diesem Törn arbeitet für Join-the-Crew bzw sind einige meiner Crew Mitglieder bereits mit Join-the-Crew gesegelt und was ich von Ihnen gehört habe, waren sie alle begeistert davon. Ich kann jedenfalls sagen mir hat der Törn sehr viel Spaß gemacht. Wind, Wetter, Meer ausgesetzt zu sein hat einen besonderen Reiz für mich, und die sommerliche Vorbräune, die meine Haut nun hat, erinnert mich nach wie vor an die fabelhafte Zeit.

7 Kommentare zu „Segeltörn Sardinien: 5 Dinge, über die definitiv keiner so gerne vor bzw nach einem Segeltörn spricht

  1. segeln ist eine der teuersten und unbequemsten art urlaub zu machen! doch meist traumhaft schön.😊😉😘

  2. Schön diesen Beitrag zu lesen und noch mal aus dieser Perspektive auf das Segeln zu schauen! 😂 Lustiger Weise bin ich durch deine Sardinien Instagram Bilder auf deinen Blog gestoßen! Wie klein die Welt doch ist! Join the Crew hat uns damals,vor 5 oder 6 Jahren, so sehr angefixt, sodass wir nun seit einem Jahr und ein paar zerquetschten auf ELMO leben – einer 11 Meter (wer hätt’s gedacht) Bavaria (dafür aber mit elektrischer Spülung auf der Toilette 😂). Kann Join the Crew so auch nur empfehlen, für alle, die so um die 35-40 Jahre alt sind Lime Ways auch ne gute Adresse (ist auch von den Machern von Join the Crew).

    1. Echt? Wahnsinn ja die digitale Welt und auch wenn man sich für ähnliche Themen begeistert ist tatsächlich sehr klein. Ich freue mich sehr über deinen Kommentar, ich habe mir gerade vorhin eure Webseite und noch genauer eure Instagram-Account angeschaut. Richtig toll! ELMO war sicherlich eine super Entscheidung und eure Fotos sind der Hammer! Danke auch für den Tipp mit Lime Ways kannte ich nicht. Wünsche euch weiterhin eine traumhafte Zeit mit ELMO, beneidenswert. 🙂 LG Doris

  3. Alles so wahr 🙂 aber wie du sagst mit einer coolen crew kanns ein genialer urlaub werden. Btw es gibt ein shampoo mit dem seifst dich nachn sprung ins meer ein – dann nochmal rein und dann bist salzfrei. Frag mich nicht wie es funktioniert – aber es funkt. 😉 i freu mi scho auf meine damencrew im august. Da gehts ab nach griechenland mit einer lieben freundin als skipperin, die ein jahr mit dem schiff unterwegs ist. Zusteigen jederzeit möglich falls du lust hast 🙂 🙂 🙂

    1. Liebe Cornelia, echt da gibt es ein Shampoo? Wo findet man so eines, wo kauft man so eines? Wow Griechenland segeln muss traumhaft schön sein, dass kann ich verstehen, dass du dich da freust! Danke für den Tipp und wie ich Lust hätte! ❤

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