Wintergaudi, wo andere Wallfahrten | Ich bin mal Mariazell, Steiermark, Österreich

„Herr im Himmel so viel Schnee!“ Ok, mein kleiner göttlicher Stoßseufzer ist vielleicht nicht der perfekte Start für diesen Bericht. Dennoch möchte ich ehrlich sein: Dieser Stoßseufzer kam mehrmals über meine Lippen, während ich fest das Lenkrad meines Leihautos im Griff hatte und es nicht glauben konnten, dass ich tatsächlich in Österreich bin und nicht irgendwo in nördlicheren Gebieten von der Welt. Gut, ich bin eine Österreicherin, eine Schluchtenscheißerin und wir sind so ein bisschen Schnee gewohnt aber, was da in kurzer Zeit an diesem wunderschönen Freitag letzte Woche vom Himmel runterkam, habe ich wirklich seit vielen vielen Jahren nicht gesehen. Während ich mit knackigen 10 km mit dem Auto nach Mariazell durch das Schneechaos tuckerte, ermahnte ich mich mehrmals das Herrgottsgefluche zu lassen, weil schließlich war ich auf den Weg zum katholischen „Mittelpunkt“ von Österreich. Obwohl es mir der liebe Gott mit Sicherheit verziehen hätte, auch wenn ich so weiter geflucht hätte, weil wahrscheinlich auch er gesehen hat, dass da wirklich viel Schnee runterkam und das Fahren echt keine Gaudi war. Aber lasst mich erzählen, warum ich nach Mariazell kam, um nicht Wallfahrten zu gehen sondern Wintergaudi zu genießen.

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Also Mariazell ist ja DER Wallfahrtsort von Österreich. Als ich im Sommer vor gut zwei Jahren das erste Mal in Mariazell war, hat mich die traumhafte Kulisse einfach umgehauen. Die Mariazeller Basilika ist ein Traum für sich. Umgeben von unseren schönen Bergen steht sie unglaublich imposant da und das Auge kann sich fast nicht satt sehen an dieser eindrucksvollen Kulisse. Wer jetzt ganz viel Ruhe und Abgeschiedenheit im Kopf hat. Denkste.

Im Sommer definitiv nicht!

Da reisen im Sommer permanent dicke Auto-Busse mit katholischen Pensionisten an, die nach dem Sonntags-Schnitzerl mit der Hälfte davon im Pensionisten-Silber, wieder nach Hause fahren. Pilgerer von nah und fern kommen hier her zusammen. Für jeden Millimeter an freier Parkfläche in Mariazell muss man Parkgebühr zahlen. Wenn man sich bei der meist kilometerlangen Eisschlange beim Cafe vor der Basilika anstellt und ein Eis kauft, muss man aufpassen, dass man womöglich am öffentlichen Platz vielleicht schon wieder in einem anderen Cafe steht und somit dann Ärger kassiert, weil man das Eis ja bei der Konkurrenz gekauft hat. In den Cafes haben die Kellnerinnen noch schwarze Strumpfhosen, auch im Sommer, an und weiße Schürzchen vorne. Häkeldeckchen finden sich auch noch vereinzelt im Cafe bzw Restaurant-Ambiente. Es wird grundsätzlich alles vermarktet und verkauft. Von Steinen bis Marienstatuen, Rosenkranz, alles. Könnt ihr euch ca vorstellen, wie es dort im Sommer läuft? Bzw wie habt ihr es wahrgenommen als ihr dort wart?

Winterurlaub in Mariazell, vielleicht der Geheimtipp fürs sehr kleine Schifahrer-Geldbörserl

In den Winterurlaub nach Mariazell zum Schifahren und Schneeschuhwandern zu fahren, wäre ich in Zenjahrhunderten nicht auf die Idee gekommen. Eigentlich beginnt meine Geschichte auf der Tauplitz-Alm, da wo ich meine Wanderführer-Ausbildung gemacht habe. Da habe ich nämlich die liebe Anne-Claire kennengelernt und die Anne-Claire hat wiederum einen Bezug zum Mariazeller-Land. Als wir uns demnach für ein Wochenende zum Schneeschuhwandern etwas ausgemacht haben, schlug sie mir das Mariazeller-Land vor. Ich war ja am Anfang ein bisschen skeptisch. Mariazell und Wintersport? Ist da dort überhaupt was, außer ein Haufen unmoderner altbackener Pilgerzimmer? Kann man dort überhaupt statt Wallfahrten Schifahren oder sonstigen Wintersport betreiben? Vielleicht ja und es wissen nur ganze wenige Menschen davon? Das heißt, vielleicht ein Geheimtipp. Ein wunderbares Alpen-Wintergebiet ohne Massentourismus, nur von großteils Einheimischen bekannt, mit allen Möglichkeiten, was noch leistbar ist? Meine Neugierde war ab diesen gedanklichen Moment geweckt.

Ich ging also auf Internet-Recherche, ein Mariazeller-Blog, der scheinbar vom hiesigen Tourismus-Verband irgendwie betrieben wird und die Tourismusverband-Seite selbst. Alles hat auf mich sehr altbacken gewirkt und es war schwer für mich rauszufinden, welches Hotel bzw Unterkunft nun die Richtige für mich ist, vor allem sauber. Altbacken mit dem kann ich leben, aber sauber muss es sein. Kurzerhand habe ich daher dann den Tourismusverband von dort angeschrieben und wie zu erwarten kam nur ein Satz zurück, der sehr schnell darauf schloss, digital und Unterstützung und was Blogger so tun keine Ahnung und interessiert uns auch nicht weiter zu helfen oder auch „jüngeres“ „moderners“ Publikum anzuziehen. Ok. Ich habe mich nicht abschrecken lassen und dann auf gut Glück über eine Booking-Seite ein Zimmer mitten im Ort gleich neben der Bürgeralpe gebucht.

Der Parkplatz vom Hotel ist auf der Rückseite einen Hügel hoch. Gerade bei diesen Schneeverhältnissen ohne Ketten am Auto war es eine Herausforderung. Wie zu erwarten wurde mir eines der alten Zimmer, sehr altbacken, zugeteilt. Wie ich schon einmal geschrieben habe, ist es großteils so, wenn man über Booking-Seiten bucht, dass man meistens die Zimmer im Hotel bekommt, die nicht so leicht zum Vermieten sind und die Guten behalten sie sich für die Gäste, die direkt buchen. Normalerweise beanstande ich das meistens aber an diesem Abend war ich zu müde nach der Fahrt und außerdem habe ich es einfach wiedermal total lustig gefunden in so einem altbackenen, österreichischen-Landei-Zimmer zu nächtigen.

Auch wenn altbacken, es war sauber und auch das Häkellämpchen aus Großmutterzeiten verrichtete ausgezeichnet seinen Dienst. Den Röhrenfernsehr habe ich jetzt nicht probiert, aber ich denke, auch dieser hätte seinen Zweck erfüllt. Ich habe dann später gelesen, dass es seitens Tourismusverband Angebote gibt. Zwei Übernachtungen inklusive einem 2-Tages-Schipass um ca 100 EUR. Das finde ich echt nicht schlecht, kosten ja in anderen Schigebieten meistens schon die Tageskarten alleine 50 EUR.

Die Bürgeralpe mit den Schneeschuhen rauf und mit dem Arschrutscherl wieder runter

Auch am Samstag hatten wir sehr starken Schneefall und böigen Wind. Wir haben uns daher entschieden mit den Schneeschuhen seitlich an der Piste, die Bürgeralpe, hochzugehen. Im Sportgeschäft unten noch haben wir uns spontan noch ein sogenanntes „Arschrutscherl“ kauft um nach unserem Aufstieg „gemütlich“ die Abfahrt runterzurutschen. Das war ein Spaß, für alle, die es noch nicht gesehen haben, ich habe auf Facebook und Instagram bereits das Video dazu geteilt. Ich stelle es aber auch hier nochmals rein.

Schlemmen bei den 3-Hasen

Schon alleine, dass die Restaurants und Hotels alle so wunderbare Namen haben wie Hirsch, Himmelfahrt,  etc zeigt meiner Meinung, nach wie „erdig bodenständig“ diese Region noch ist. Wir haben uns für ein Abendessen bei den 3-Hasen entschieden. Ganz traditionell und es war einfach nur schön.

Erlaufsee und Lunz am See

Am nächsten Tag ging es für mich weiter zum Erlaufsee und Lunz am See. Ich lasse jetzt einfach mal Bilder sprechen.

Meine Empfehlungen: Also ich kann diese Region wirklich all jenen empfehlen, die Schifahren gehen bzw Wintersport betreiben möchten und wenig Geld zur Verfügung haben. Die Gäste sind primär aus Wien, Burgenland, Deutsche und Holländer habe ich gesehen. Die Hotels, Gasthäuser sehr traditionell und altmodern gehalten. Soweit ich gesehen habe, gibt es schon in manchen Restaurants, Hotels so etwas wie Apres-Ski oder Party, aber niemals vergleichbar wie in den großen Schigebieten. Hier geht es einfach eine Spur ländlicher, gemütlicher, „verschlafener“ ab, was aber meiner Meinung nicht weniger Wintergaudi bedeutet. Wie schon geschrieben ein Zimmerchen mit einem 2 Tagesschipass ist für 100 EUR möglich. Hier ist Schifahren noch mit der ganzen Familie leistbar. Übertriebenen Komfort oder absolut modernes Design sucht man hier vergeblich, allerdings ist das nun auch wieder relativ. Mariazell hat definitiv auch im Winter irgendwie seinen Charme. Mir fällt jetzt eigentlich nur mehr ein: Oma lässt grüßen und ich liebe meine Oma über alles, auch wenn ihr Geschmack wahrscheinlich ein bisschen ein anderer ist als meiner. ❤

Was denkt Ihr? Kennt ihr auch so coole altbackene Regionen in Österreich? Was mögt ihr dort besonders?

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