Das Leben der Anderen und warum weglaufen nichts bringt…

Ich liebe Reiseblogs und lese seit vielen Jahren gefühlte Tonnen davon, weil ich ja auch so wahnsinnig gerne reise, aber bei vielen Reiseblogs muss ich manchmal echt den Kopf schütteln. Von alles hinschmeißen, Job kündigen und für immer reisen ist da die Rede und auch die Empfehlung. Dass, das Leben als digitaler Nomade einfach am besten ist. Dass, das Reisen „nur“ das Beste ist, was es gibt auf der Welt. Raus aus dem stinkigen, furchtbaren Alltag und nur mehr als (digitaler) Nomade leben. Leute, tut eure Wohnung kündigen, kündigt euer Leben in dieser versifften Wirtschaftswelt und reist einfach! Wir zeigen dir wie das funktioniert. Wir zeigen dir dein glückliches Leben in Freiheit. So oder so klingen da die Appelle in den Texten durch. Mir stellt es ganz ehrlich, die Gänsehaut auf, wenn ich solche oder jene Texte lese und vor allem auch sehe wie viele Menschen sich diese Texte zu Herzen nehmen und vielleicht wirklich alles hinschmeißen in der Hoffnung, dass dadurch alles besser wird.

Ich denke, jeder Mensch macht Erfahrungen und es ist jeden sein gutes Recht über seine Erfahrung zu berichten. Ich tue hier in meinen Blog ja auch nichts anderes. Ich berichte dir über meine Erfahrungen mit allerlei Sachen. In mir allerdings sträubt sich was dagegen, dass ich meine Erfahrungen anfange an dich in einen „Werbetext“ zu verkaufen bzw mache ich es vielleicht unbewusst, aber mir ist es ein Anliegen, dass du weißt, dass dies hier meine Erfahrungen sind und diese nicht unbedingt für dich gelten müssen.

Was meine ich damit?

Ich kann hier schreiben in meinen Blog, dass ich zum Beispiel ein spezielles Restaurant toll gefunden habe. Ich kann dir hier in meinen Blog erzählen, wie der Besuch in diesem speziellen Restaurant für mich war. Ich beschreibe dir im Grunde meine Wahrnehmung, das heißt aber noch lange nicht, dass du es genauso empfinden musst, wenn du das Restaurant besuchst. Genau dasselbe, wenn ich von einer Reise berichte. Diese Berichte sind meine Wahrnehmung, die du wieder ganz anders empfinden kannst und die Reise so gar nichts für dich wäre, weil du einfach eine andere Reise-Persönlichkeit bist. Das, was du in meinen Blog lesen kannst sind demnach meine Erlebnisse und Empfehlungen, das heißt diese Empfehlungen müssen nicht für dich gelten. Außer du nimmst sie an, erlebst es selbst und machst daher dadurch deine eigenen Erfahrungen.

Verstehst du?

Im Internet gibt es schon unzählige Kurse für Blogger, die folgendermaßen lauten: „Wie du deinen Text einzigartig für deine Zielgruppe schreibst. | Wie du noch mehr Leser für deine Texte bekommst – ich zeige es dir.“

Fällt dir schon bei diesen Überschriften zu diesen Blogger-Kursen etwas auf? Ja, richtig, sie sind schon wie Werbetexte formuliert. In diesen Kursen wird gelehrt, wie Überschriften von Texten formuliert werden können, dass sich viele angesprochen fühlen, wie Texte direkt formuliert werden können, dass der Leser denkt: Ja genau das will ich, genauso ist es. Obwohl der Leser vorher noch keinen Tau von der Thematik hatte.

Wer daher das Handwerk von guten Marketing-/Werbetexte gelernt hat und dann auch noch seine Meinung dadurch sehr stark einbringen kann, hat daher ein ziemlich machtvolles Werkzeug in der Hand und viele Blogger legen es definitiv genau auf das an. Sie wollen ein Bedürfnis in dir auslösen, dass sie die Lösung all deiner Probleme in der Hand haben. Sie wollen dir weiß machen, dass das Leben zB als digitaler Nomade und ständig Reisender das Beste vom Besten ist und du es daher machen solltest mit dem Hintergrund, dass sie dir helfen wollen in dem du kostenpflichtige ebook kaufst, ihre kostenpflichtige Beratungsleistungen in Anspruch nimmst usw. Desto mehr sie den Wunsch in den anderen Menschen auslösen, dass diese das auch wollen, desto mehr Geld verdienen sie damit. Ganz einfach. Das ist dann eben das Business dahinter.

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Daher bin ich der Meinung, bevor du anfängst dich von anderen „fangen“ zu lassen, dir aufdrängen zu lassen, was ein glückliches Leben ist oder nicht, musst du selbst herausfinden wer du bist und was dir wichtig ist und gut tut. Es mag ja sein, dass für den einen ein digitales Nomaden Leben das Beste auf der Welt ist. So ohne Heimat, ohne festen Wohnsitz. Allerdings weiß man hier den Hintergrund nicht immer. Vielleicht entstammt diese Person aus einem sehr etablierten Haushalt und die Familie hat 10 prachtvolle Häuser um den Globus verstreut, wo die Person jederzeit ihr digitales Nomaden Leben unterbrechen könnte. Oder vielleicht hat die Person geerbt und hat im Hintergrund mindestens eine Million im Backup. Oder die Person hat wirklich niemanden auf der Welt mehr und auch keinen finanziellen Hintergrund und hat daher dieses Leben so wählen müssen, weil es keine andere Alternative gab und dieser auch keine andere kennt. Was es auch sein mag. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Leben, aber das indiziert zum Beispiel nicht, dass ich oder du glücklich damit werden würde.

Verstehst du was ich meine?

Es hat damals im Fernsehen, ich glaube bei VOX TV war das, eine Sendung über Auswanderer gegeben. Ich war damals immer restlos schockiert, wenn eine HartzIV-Empfänger-Familie aus der ärmsten Schicht Deutschland sich das große Los davon versprochen hat, einfach mal so zB in die USA auszuwandern und „the-big-business“ mit „curry-wurscht und Co“ zu machen, nur weil sie gehört haben der Seppi vom Peppi der hat das auch einfach mal so gemacht und dann sind sie reumütig wieder nach Deutschland zurückgekehrt mit noch mehr Schulden, weil es nicht funktioniert hat. Ich habe damals den Mut bewundert, aber auch hat es mich extrem berührt, das sie den einzigen Hoffnungsschimmer, der einem irgendjemand erzählt hat aufgegriffen haben und daran geglaubt haben, obwohl ihre Existenz davon abhing.

Oder ein anderes Beispiel wie viele träumen von der großen Karriere oder von einer Erfindung, die sie totsicher ganz reich machen wird? Viele oder? Ich konnte bereits einige kennenlernen, die extrem erfolgreich geworden sind, da wo alles ganz spielend einfach ausgesehen hat. Viele wollen dabei nicht sehen, wie viel harte Arbeit und Leistung und vor allem Verzicht hinter so einem Erfolg steht. Dass was diese erfolgreichen Menschen jedoch alle gemeinsam haben, sie haben Ihre Hausaufgaben selber bei sich gemacht.

Was meine ich wieder damit?

Seine Hausaufgaben bei sich selber zu machen, bedeutet selbst rauszufinden: Was bin ich bereit zu leisten? Was bin ich bereit zu geben? Was macht mich glücklich bzw unglücklich? Wer bin ich? Mit was bin ich zufrieden? Solange diese Dinge nicht rausgefunden werden, ist es relativ egal in welchem Land und in welchem System gelebt wird. Weil du nimmst, dich immer selbst mit, egal wohin du gehst. Um dich versorgen zu können, brauchst du immer jemanden der etwas dir gibt bzw du ihm geben kannst. Und solange du selbst deine Werte nicht weißt, wirst du immer wieder dieselben Menschen um dich treffen, wie auch ähnliche Erfahrungen machen egal in welchem Land, Beruf bzw wird dies deinen Erfolg im Leben bestimmen.

Ich selbst habe bereits in 3 verschiedenen Ländern gelebt, gearbeitet, studiert. Ich war beruflich im Top-Bereich angesiedelt, wo Geld keine Rolle mehr spielte, wie auch in Jobs die in der untersten Gesellschaftsschicht zu zählen sind. Egal ob ich bei den Reichen war oder bei den Armen. Ob ich in Spanien gewohnt habe oder in Schweden. Gefühlt habe ich mich immer gleich. Da war immer die Doris. Ich kann daher nur aus meiner Erfahrung sprechen: Es ist so: Egal wie, vor sich selbst davonlaufen, geht halt nicht, auch wenn viele das glauben.

Deine Probleme, deine Persönlichkeit, deine Gedanken bleiben die gleichen egal ob reich, arm, in einem anderen Land. Bist du unglücklich und hast viele Probleme, dann mögen dir alle Mittel recht sein zu fliehen. Du brichst alle Brücken ab und hoffst auf ein besseres Leben, sei es die Flucht in ein anderes Land, in eine andere Möglichkeit. Dennoch wirst du drauf kommen, dass das bessere Leben bereits in dir ist. Du musst nur daran arbeiten und herausfinden, wer du bist und für was du stehst, das ist ein superlanger Weg, ich gebe es zu. Dieser Weg ist steinig und manchmal sehr schwer, da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Viele glauben die kürzere Weg-Variante wählen zu können und greifen daher nach jedem Lösungsstrohhalm die andere liefern und ihnen vorschwärmen, wie genial ihr Leben ist und man das eben unbedingt braucht, weil nur dieses Leben das einzig wahre ist. Im ersten Moment scheint die Lösung daher so nahe, bis man dann drauf kommt, dass dieses andere Leben auch nicht perfekt ist. Ja natürlich nicht. Weil es nichts 100 % Perfektes gibt, allerdings gibt es ein Leben, welches für dich 100 % passt und dieses Leben liegt bereits in dir, du musst es nur für dich herausfinden.

Ich wünsche viele mehr, Menschen, würden das erkennen, damit sie nicht mehr einem Leben der Anderen nachlaufen müssten bzw dann enttäuscht sind. Damit wären wir nicht mehr so beeinflussbar, ich denke, das ist dann stressfreier.

Ich wünsche dir und mir dieses Leben 100 % zu finden. Vielleicht hast du es auch schon gefunden, wer weiß. Ich wünsche uns jedoch definitiv weiterhin den Mut, lebendig zu bleiben und eigene Erfahrungen zu machen, ohne anderen einfach etwas nachzuplappern und ihre Standard-Lösungen auf unsere individual Probleme darüber zu stülpen. Ich wünsche dir und mir weiterhin reflektiert durch die Welt zu gehen und die Vielfalt zuzulassen und uns nicht von Anderen überrollen zu lassen. Dass das nicht einfach ist, hat keiner behaupetet, dass das Leben nicht immer einfach ist war klar.

Mir war dieser Text schon seit langer Zeit ein Anliegen. Ich möchte damit wieder mehr deinen Mut zur Reflexion zur Diskussion ansprechen. Ich möchte mit diesem Text ansprechen, dass du dir eine eigene Meinung über Dinge machen und die Texte von uns vielen Blogger als Empfehlung und nicht als die Ultimative-Lösung all deiner Probleme sehen sollst. Jedenfalls auf meinen Blog möchte ich das so leben. Ich mag dir Mut machen mit den Texten, ich mag dich inspirieren, vielleicht auch zum Lachen bringen, aber mein Ziel ist es dich nicht wie in einem Werbetext zu überzeugen, dass nur dies das einzig wahre und Richtige ist bzw dir nur die schönen Seiten aufzählen.

Nein.

Authentizität und Reflexion ist mir wichtig und ich freue mich darüber, wenn du das auch so wahrnimmst.

Danke, dass du diesen Text hier gelesen hast.

Eure, Doris

 

4 Kommentare zu „Das Leben der Anderen und warum weglaufen nichts bringt…

  1. Sehr schöner Beitrag!
    Über Träume und Realität.
    Ich stimme dir in jedem einzelnen Punkt zu, nur muss jeder Einzelne selbst es zu diesem Punkt, zu dieser Einsicht, schaffen. Es ist wie mit den Kinder und den heißen Herdplatten. Viele Kinder müssen sich erst einmal verbrennen, bevor sie Mutti wirklich glauben, dass es heiß ist. Da kann Mutti Hunderte Male gesagt haben, fass da nicht hin, da ist´s heiß. Erst wenn es weh tut, wissen sie es.

    Gefällt 1 Person

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