Doris nimmt ab: Ein Selbstversuch: Woche 3 | Schitechnik-Training – Ich geh mal eine Runde heulen…

Ich gebe es zu ein großartiges Sport-Talent war ich noch nie. Ich denke so ungeschickt wäre ich als Kind schon nicht gewesen, hätte ich mehr Förderung und Aufmerksamkeit in der Hinsicht erhalten. Ja wenn das HÄTTEN und WANN nicht gewesen wäre, werden vielleicht jetzt einige von euch sagen. Man kann sich ja auf alles ausreden, aber Vergangenheit lässt sich halt nicht ändern. Nein ich denke, das ist keine Ausrede. Wenn man schon als Kind gefördert wird, Selbstvertrauen und auch Urvertrauen von seinen engsten Bezugspersonen mitbekommen hat, wird einiges leichter im späteren Leben sein, denke ich. Allerdings hat es auch sein gutes man wird zum Kämpfer….hmmm….

In meiner Familie waren eigentlich nur mein Papa und mein Onkel sportlich. Die Frauen alle super unsportlich, ausgenommen meine Tante die sich auf Grund meines Onkels immer wieder überwand zB schifahren, radfahren zu gehen, aber so wirklich nach freiwilligen Spaß hat es auch bei ihr nicht ausgesehen eher wie der innere Schweinehund-Kampf ;-). Alles war irgendwie in unserer Familie gerade was körperliche Bewegung betraf mit viel Risiko verbunden und sicherlich kein Spaßfaktor. „Ohgottohgott was denn da alles passieren kann,“ war das Motto. „Doris pass auf, nicht am Randstein balancieren, da könntest du abrutschen und in das nächste Auto reinfallen.“ „Doris fahr nicht so schnell mit dem Fahrrad, da könnte es dich runterhauen.“ Als Erwachsener würde ich sagen, ja sie haben es alle gut gemeint mit mir, allerdings durch das schlechte Bewegungsgefühl und Einschätzungsvermögen ihrerseits haben sie mir sehr schnell und viel meiner kindliche Naivität genommen und vorallem den Mut einfach mal Sachen so auszuprobieren. Ich habe daher dann schon als Kind alle Bewegungsabläufe immer mit sehr viel Kopf und sehr viel vorsichtig gemacht und ja ich habe mir (klopf klopf auf Holz) noch nie etwas gebrochen, gezerrt oder getan.

Dieses kopflastig die ja eigentlich automatisch als Erwachsener kommt, ist daher als Erwachsener bei mir noch viel mehr geworden. Ich habe seit ich denken kann immer und gerade bei sportlichen Aktivitäten | alles was mit Bewegungsabläufen zu tun hatte Angst gehabt. Angst zu versagen, Angst es nicht richtig zu machen, Angst lächerlich dazu stehen, Angst einfach Bewegungen nicht machen zu können und alle Lachen einen aus, gerade die Burschen, weil das ja eh alles ganz normal ist, dass man das kann. Die Angst einfach nicht dazu zu gehören, weil man so unbeweglich ist, eventuell zu dick und so viel Angst hat. Mein Papa wiederrum der eigentlich sportlich war, hat sich oftmals durch seinen Leichtsinn brutale Verletzungen zugezogen, was für mich als Kind einfach nur furchtbar und dumm war und noch mehr meine Angst geschurrt hat und den Glaubenssatz noch mehr untermauert hat, ja nie ein Risiko einzugehen und in der Komfortzone zu bleiben.

Von der Komfortzone…

So bin ich immer schön in meiner Komfortzone geblieben. Turnunterricht war ein kraus für mich und die paar mal als ich einen Versuch in meiner Kindheit startete, zB mit Ballett, wurde mir nach ein paar Stunden wieder ausgeredet. Ich hätte guten Zuspruch gebraucht, dass aller Anfang schwer ist und so anstatt dem wurde mir zuhause dann gesagt, dass es eh klar war, dass ich scheitern werde und Ballett sowieso ein Schwachsinn und nichts für mich, für das bin ich nicht gebaut und das ich so ok bin wie ich bin und man sich halt nur soweit nach der Decke strecken kann wie die Decke hoch ist und ich halt so wie alle in unserer Familie halt nicht gut im Sport sein werde.

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So habe ich mir es halt ohne Versuch dann bis Anfang 20 immer eingeredet, dass ich kein Bewegungstalent bin, dass ich mich verletzen kann und darum kein Risiko eingehe, dass ich gerade was Bewegung angeht einfach nicht dafür gebaut bin, dass sowieso alle denken, dass ich das nicht kann, darum lasse ich es gleich bleiben. Auf der anderen Seite habe ich die sportlichen Mädels und Jungs immer schamlos bewundert. Die Körperbeherrschung und den Mut. Alle unsportlichen Leute habe ich verurteilt ebenso mich, um diese Selbstablehnung zu vertuschen hatte ich immer einen doofen Spruch auf der Lippe über die Sportler, weil an Schlagfertigkeit hat es mir eigentlich selten gefällt. Nach dem Motto austeilen bevor dich ein anderer verletzt.

Warum das Ausweiten der Komfortzone wichtig ist…

“Don't worry about a thing,every little thing is gonna be alright”

Der Scheiß war allerdings, dass ich zwar immer schön in meiner Komfortzone blieb, ich aber dadurch sterbensunglücklich war, irgendwie bewegte ich mich doch gerne. Es machte mich rasend wütend auf mich selbst, dass ich mir alle sportlichen Sachen nicht zutraute und darum bin ich irgendwann an den Punkt gekommen, dass ich meine Unsportlichkeit nicht wahrhaben wollte. „Es wird doch irgendeine Sportart für mich geben,“ dachte ich mir, „den ich ausführen kann und mir auch Spaß macht, ohne mich dabei ernsthaft zu verletzten.“ So begann ich Widerwillen meines damaligen Freundes im Verein Badminton zu spielen. Ich schwor mir nicht eher damit aufzuhören bis ich das Gefühl hatte in der Gemeinschaft aufgenommen zu werden, weil ich Badminton spielen kann. Die Herumsitzerei bis jemand mit mir spielen wollte, war furchtbar für mich und machte keinen Spaß. War das Sport dachte ich mir?

Bis meine damalige sehr sportliche Arbeits-Kollegin R. die Idee hatte, dass ich beim Businesslauf mitlaufen sollte. Ich und laufen? Das schaffst du meinte R.. Heute fangen wir einfach zusammen mit dem Training an. Sie hat mich dann einfach am Abend nach der Arbeit über den Froschberg gezerrt. Abwechselnd laufend dann gehend bis ich meine ersten 5Kilometer langsam joggen konnte. Als ich dann beim Businesslauf meine ersten 5km gefinished hatte, war ich überwältigt und den Tränen nahe. Das wesentlichste dabei war, R. glaubte an mich und das jeder sportlich sein kann und das übertrug sich dann auf mich. Diese Geschichte ist bald 15 Jahre her. Kinder wie die Zeit vergeht. Badminton hängte ich dann an den Nagel und fokusierte mich auf das Laufen. Wo ich bis 2008 zum Halbmarathon trainiert habe und auch gar nicht mal so schlechte Zeiten auf Viertel und Staffel gelaufen bin. Guter Durchschnitt eben. Mich hatte sozusagen damals das Laufvirus invisziert und ich habe mich herrlich gefühlt.

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Wenn der größte Feind wir selbst sind…

Mein Learning damals war, dass eigentlich ICH selbst mit meiner Versagens-Angst mein größter Feind bin und wenn ich lerne mich selbst zu lieben und an mich zu glauben, dann werde ich vieles im Leben schaffe. Mein innerer Kritiker bin nur ich selbst und dieser braucht mir nicht einzureden, dass es ist nicht ok ist Dinge zu tun. Denn nur ich selbst bestimme was ich darf und nicht darf bzw was geht und nicht geht und was gut ist und nicht gut. Manchmal fällt mir das schwerer und manchmal fällt mir das leichter, gerade auch wenn man ein positives Umfeld hat ist es leichter. Früher habe ich furchtbar mit meinen inneren Kritiker bekämpft obwohl ich ihm eigentlich einfach gut zureden sollte und ihn damit liebevoll entkräftige. Es ist schon sehr viel besser geworden, weil ich mich die letzten 15 Jahre einfach viel weiter in für mich Gefahrenzonen rausbewegt habe und diese dadurch Komfortzone geworden sind. Allerdings wenn ich nach wie vor in eine für mich betitelte Gefahrenzone komme, beginnt der Kampf mit meinen inneren Kritiker erneut. Und so eine Gefahrenzone hatte ich für mich am Wochenende.

Schitechnik-Training in Obertauern

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@DorisWorld.at | Oben in Obertauern

Dieses Wochenende habe ich mich für ein Schitechnik-Training angemeldet gehabt. So führte mich mein Weg nach Obertauern. Ich habe als Kind schifahren gelernt und würde mich als eine mittelmäßige Schifahrerin beurteilen. Ich komme irgendwie überall runter. Allerdings fährt jetzt seit vielen Jahren immer mehr Angst mit mir mit und das „irgendwie runter kommen“ wird auch schon schwieriger. Angst, dass ich blöd falle und nie mehr aufkomme. Angst, dass ich gerade wenn ich ein bisschen mehr auf unebene Pisten, Eis-Pisten und tiefverschneite Hänge komme nie wieder runter komme, oder ich verschwinde etc. Einige würden daher jetzt sagen dann lass es doch, man muss ja nicht alles können. Ich denke mir allerdings, scheiß drauf, rein in die Angst und die Angst genauer anschauen, damit es irgendwann wieder Komfortzone wird. Weiters liebe ich ja die Berge und das draußen sein und ich möchte das Schitouren gehen können und da muss man auch die Hänge off-site-Piste fahren können ohne Angst.

larity and focus doesn’t always come from God or inspirational quotes. Usually, it takes your mother to slap the reality back into you.

Ich bin leider heuer vor diesem Wochenende noch kein einziges Mal auf den Schi gestanden. Der Schilehrer machte mit uns ca einen halben Tag Übungen auf der Piste und dann ging es ins Gelände. Tja und da am ersten Hang habe ich dann die Nerven verloren. Obwohl der Hang einfach nur eine ausgefahrene Muckelpiste war ohne, dass es irgendwo extrem steil runtergegangen wäre. Es hat einfach klick gemacht und die Angst war am ganzen Körper. Alle meine Schikurs-Gruppen-KollegInnen waren schon unten ich nicht – oh gott typisch ich, halte alle auf, ich bin die letzte, die schlechteste, ich gehöre nicht dazu, ich sollte den Sport bleiben lassen wie alle immer sagen, ich bin unsportlich das ist der Beweis, alle können es – nur du wieder nicht, was denken jetzt die anderen über dich … solche Gedanken sprudelten nur so in meinen Kopf. Ich hatte eine Panikattake deluxe, ich habe am ganzen Körper zum Zittern angefangen, ich habe geatmet als gebe es kein morgen mehr. Ich hatte keine Idee mehr wie ich einen Schwung machen soll bzw da runter kommen soll. Alles was ich je an Schifahren gewusst habe, war weg. Angst pur.

Tränen standen mir in den Augen und ich war unglaublich wütend auf mich selbst. So wütend, dass ich mich am liebsten mitten am Hang hingelegt hätte und mich wie ein störrisches Kind verhalten wollte. Mich einigeln und mich abholen lassen von irgendjemanden der mich tröstet und mir sagt: „alles ist gut, alles gut, ich bin überzeugt du schaffst das.“ Irgendwie zusammen mit dem Schilehrer bin ich den ganzen Hang dann runtergerutscht. Während die anderen weiter ins Gelände fuhren, habe ich dann einfach mal ausgesetzt. „Du gehörst hier nicht dazu,“ hat mir mein innerer Schweinehund weiter eingeflüstert. „Was willst du hier, tzzz Schitouren gehen wirst du nie in deinem Leben gescheit, wenn man sich so dämlich anstellt,“ ging es weiter.

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@DorisWorld.at | Gedanken in Obertauern

Wir machten dann anschließend wieder einige Übungen auf der Piste und ich hatte wirklich eine tolle Gruppe. Alle waren so lieb zu mir. Ich bin früh schlafen gegangen und bin nochmals für mich die Stress-Situation durchgegangen. Was ist da passiert? Warum hat mich das so überfordert? Woher ist die Angst gekommen? Warum tu ich mir das alles in meiner Freizeit an? Gedanklich habe ich versucht mein inneres Kind zu umarmen und Erholung im Schlaf zu finden.

Am nächsten Tag ging es mir schon leichter. Zwar hatte ich weniger Kraft, da der erste Tag auch bereits sehr intensiv war, aber ich merkte, dass ein paar Übungen echt was gebracht haben.

Nach wie vor beschäftigten mich die letzten 2 Tage. Warum habe ich mich wieder in so eine Situation gebracht? Warum will ich unbedingt was lernen, was mir Angst macht? Warum kann ich mich nicht mit dem zufrieden geben wie es momentan ist: „passable pisten-schifahrerin“? Warum habe ich Angst, dass andere mehr können (also besseres schifahren) als ich und ich deshalb, dass auch lernen muss um dabei sein zu können. Bin ich auch liebenswert, wenn ich etwas nicht kann und Angst davor habe? Bin ich gut genug? Warum will ich das können? Warum muss ich immer so hart und stur zu mir sein…

Doris isst | Woche 3:

Ja die 2 Tage waren rein essenstechnisch ok. Am Freitagabend habe ich einen wunderbaren Fisch gegessen mit Gemüse. Am Samstag klassisches Frühstück, mittags eine Suppe auf der Hütte und abends hatte ich leider wenig Einfluss auf das Essen. Da ich aber den ganzen Tag auf den Schi unterwegs war und einen Mörderhunger hatte habe ich mir halt das Industrie-Essen (Käsespätzle) gegönnt. Sonntag wieder klassisches Frühstück und zum Abendessen eine Suppe.

Doris bewegt sich | Woche 3:

Tja wir sind 2 Tage lang von 09:00 Uhr morgens bis ca 16:30 mit ca einer halben Stunde Pause Schi gefahren. Wie soll ich sagen, heute spüre ich gut meine Oberschenkel, Wadeln, Bauch und Rücken. Ich fühle mich körperlich sehr gut und kräftig. Diese Woche geht’s wieder ab ins Fitness-Studio.

Ab dieser Woche möchte ich euch auch einen visuellen Rückblick geben, was ich sportlich alles in dieser Woche umgesetzt habe. Die Idee dazu habe ich bei der lieben Blogger-Kollegin Katii gesehen. Danke für die Inspiration liebe Katii.

Your guide to healthy living

Doris tut sich GUTES damit ihr Schweinehund bei Laune bleibt | Woche 3:

Am Wochenende habe ich mir am Abend immer wieder ein gutes Bier gegönnt. Ich weiß nicht ob das unter Doris TUT sich GUTES fällt. Definitiv wars gut zum Beruhigen, für den inneren Kritiker. Weiters die Dusche nach dem Schifahren und eincremen. Eine zweite Decke zum Einkuscheln hat mir auch geholfen.

Doris misst sich | Woche 3:

Heute Morgen habe ich plötzlich in eine Jeans reingepasst die mir immer ein bisschen zu eng war. Gewicht ist seit Woche 1: 2kg weniger. Naja immerhin. Ich muss auch sagen, dass sich mein Bauch mittlerweile flacher anfühlt oder bilde ich mir das nur ein?

Resümee Woche 3: Du darfst dich selbst nicht so fertig machen und du musst deinen Leistungsanspruch an dich selbst runterschrauben. Dinge passieren wie sie passieren. Du bist auch liebenswert wenn du eben nicht alles perfekt kannst und wirst auch immer dazugehören und irgendwie gemocht. Du hast ein tolles Schi-Wochenende hinter dir und tolle neue Menschen getroffen. Du brauchst keine Angst zu haben, solange du bemüht bist dein Bestes zu geben.

Alles liebe,

Unbenannt_Signatur Doris

3 Kommentare zu „Doris nimmt ab: Ein Selbstversuch: Woche 3 | Schitechnik-Training – Ich geh mal eine Runde heulen…

  1. Liebe Doris!
    Ich sehe mir so gerne deine Beiträge durch, du bist einfach so sympathisch und authentisch. Bin auch voll und ganz deiner Meinung, wenn man als Kind nicht wirklich sportlich gefördert wird, dann ist es später einfach umso schwieriger und man muss erst den inneren Hundling vertreiben! Aber ich finde, du machst das supergut 🙂
    Alles Gute weiterhin,
    Mara
    http://piecesofmara.com

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  2. Hallo liebe Doris,
    ich kenn solche Angstsituationen auch gut. Ich war vor ein paar Monaten auf einem Klettersteig in einer ähnlichen Sitation. Ich wollte einfach nur verschwinden, einfach raus! Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, sich seinen Ängsten zu stellen und sich zu fragen, woher sie kommen. Ich glaube, du bist auf einem guten Weg! 🙂
    Alles Liebe!
    Kathi

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