Stimmung in der Bim vor der Wahl in Linz. Aus dem Leben, ich bin schockiert.

Ich steige ein und fahre Richtung Stadt. Ich entscheide mich für einen Stehplatz. Vor mir eine korpulente Dame in den Sitzreihen. Neben ihr ein kleiner zierlicher Mann, ihr Ehemann. Sie hält die Tasche auf ihren Schoss und schaut kalt und sauer nach vorne. Ihr ganze Aura spricht für sie und schreit förmlich – rührt mich nicht an. Sie tut mir leid und ich bette heimlich für sie, dass sie loslässt, bevor ich mich bei dem Gedanken ertappe: Nein, das ist nicht mein Bier. Jeder ist für seinen Gemütszustand und seine Happyness selbst verantwortlich.

Es wird immer lauter in der Bim. Eine Horde Kinder, geschätzte 10 oder 11 Jahre alt, offensichtlich zweisprachiger Herkunft mit einer türkischen Basis, ihren Gesichtszügen nach zu bewerten, spielen in der Bim fangen. Sprich sie sind laut und jedesmal wenn die Straßenbahn hält steigen sie bei einer Tür aus und bei der anderen wieder ein. Man spürt förmlich das Leben. Ich finde es weder unangenehm noch angenehm. Das ist das Leben denke ich mir. Die Kinder sind zwar ein bisschen übermütig, aber lieber ein Lachen und eine Freude als angefressene, böse Leute, denke ich mir.

Die Dame in den Sitzreihen zieht ihre Tasche am Schoss noch enger an sich. Ich höre sie, wie sie in Fahrtrichtung gegen die Kinder zum Motzen anfängt. „So etwas Unerhörtes, so hätten sie sich FRÜHER nicht aufgeführt. So etwas geht ja gar nicht.“ Während sie vor sich immer lautend werdend dahinmotzt, redet sie eigentlich nicht mit der Ursache ihres Ärgernisses also mit den Kindern. Plötzlich realisiere ich, hier geht es gar nicht um die Kinder. Es geht um die Dame selbst, sie muss gehört werden. Sie will gehört werden, wahrscheinlich durfte sie selbst als Kind nicht spielen oder hat es sich verbietet. Während ich noch mit diesen Gedanken spiele, hat sich schon eine Frau zu der Dame gesellt und meinte zur Dame direkt: „Hören Sie, ich kann Ihre Aufregung verstehen, aber bedenken Sie doch das sind Kinder, und wenn es ihnen nicht passt, dann sagen Sie es doch höflich den Kindern.“ Die Dame wird noch aufgebrachter. „Das ist doch die Höhe, sie hatte sehr wohl Spaß als Kind, aber sie hat gewusst, wie man sich benimmt.“ Die Frau, die sehr entspannt wirkt, schaut die Dame intensiv an und sagt dann mitfühlend zu ihr: „Dann tut es mir leid für Sie, dass Sie offensichtlich nicht erlebt haben, dass unbeschwert spielen etwas Schönes sein kann, vielleicht würden Sie die Welt gerade jetzt dann entspannter sehen.“

Die Frau wird auf diese Aussage dann noch lauter und wütender. Ich fühle mich mittlerweile sehr gestört von der Lautstärke der Dame. Blicke sie an und sage: Dann kaufen Sie sich doch Kopfhörer oder fahren nicht mehr Straßenbahn, wenn Ihnen andere Menschen so furchtbar stören und vor allem Kinder die einfach spielen. Wo Menschen zusammenkommen, menschelt es, da ist einfach oftmals viel Toleranz gefragt und wenn es einem stört, sollte man gelernt haben es direkt zu sagen oder wenns nichts bringt ignorieren. Sprich in Ihrem Fall die Kindern, das sind doch nur 5min ihres Lebens, wo sie das ertragen müssen.“  Die Frau nickt mir zustimmend zu. Dennoch wird mir schlagartig bewusst, dass es nie um die Kinder und die Lautstärke gegangen ist.

Die Dame holt zum letzten Schlag aus und schreit aufgeregt wie ein Hampel-Mann ehm Hampel-Frau: „Das Scheiß Gesindel soll sich Hamschleichen! Die Scheiß-Türken allen sollen weggebracht werden, weil das ist, das eigentliche Problem.“ Dann faucht sie ihren Mann an: „Komm Hans-Peter, das haben wir nicht nötig,“ und verlässt weiterhin vor sich hermotzend die Straßenbahn.

Ich war zutiefst schockiert und sprachlos zugleich. So viel Hass und Wut auf spielende Kinder? Statt sich selbst bei der Nase zu nehmen, vielleicht in sich zu schaun und selbst herauszufinden, warum die Lautstärke und der Lärm gestört haben, dass das was mit einem selber zu tun hat, wird der Schuldige einfach so im Außen gesucht?

Die Strategie der dummen Menschen.

Vielleicht sollte ich das nächste Mal dieselbe Strategie wie die Dame machen, und sie einfach beschimpfen, dass mich ihr fett am Leibe und ihr Geruch stört, weil das meinem ästhetischen Anspruch stört und natürlich sie schuldig ist, wenn sie nicht gut aussieht und nicht gut für mich riecht.

Nein, das wäre nicht mein Stil. Nein. Dumme Menschen mit ihrer Dummheit besiegen?

Nein, es wird nichts bringen außer beidseitigem Schmerz. Ich will ein friedliches Leben in Toleranz und Würde. Ein Leben mit Selbstreflexion und Köpfchen. Ein Leben, wo nicht die Schuld permanent bei allen anderen, in der Religion, in der ethnischen Zugehörigkeit gesucht wird, sondern bei sich selbst und dann entsprechend gehandelt wird. Ein Leben, wo wir Menschen miteinander an einem Strang gemeinsam ziehen, dass das viele Diskussionen sein werden, dass, das viel gegenseitiges Verständnis für den anderen braucht, ist klar. So funktioniert Demokratie und das soll auch so bleiben.

Also liebe Leute geht daher am Sonntag wählen und überlegt gut, was ihr für unsere Zukunft wollt.

2 thoughts on “Stimmung in der Bim vor der Wahl in Linz. Aus dem Leben, ich bin schockiert.

  1. Juhu Doris
    Oje, aber ich erlebe das sehr oft, meist von der älteren Generation. Was man nicht kennt, muss man fürchten. Die Medien tun ihr bestes dazu und so entsteht hier eine extreme Kluft. Leider lassen es viele lautstark raus.

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  2. Ich habs auch schon ein paar Mal mitbekommen 😦
    Aber auch schon, dass sich Leute in der Bim für die Kinder eingesetzt haben – Kinder können ja am wenigsten für die Situation, die verstehen das ja auch nicht. Traurig!
    Man müsste meinen die „Alten“ sollten aus der Geschichte gelernt haben?!

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