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First time Foto-Fashion-Model me: Persönliche Gedanken rund um Fashion und Ausstrahlung.

„Hattest du schon mal eine peinliche Klamottensituation?“, fragt mich die Journalistin, die vor mir im Café sitzt. „Also ich meine hattest du schon mal etwas absolut Unpassendes an und in der Situation hast du dich dann gar nicht wohlgefühlt,“ ergänzt sie die Frage. Ich überlege hektisch und immer dann, wenn ich eine Mischung aus Unbehagen, komplett neue Situation habe, möchte ich unbedingt schnell sein, schnell in der Antwort und zeigen, was ich kann. Selbstschutz? Ich plappere drauf los. Die Journalistin war mir vom ersten Moment an sympathisch, sie erinnert mich an meine Lieblingstante und eine sehr liebe Freundin von mir, warum ich umso mehr das Gefühl habe darauf loszuplappern, wie wenn sie eine alte Freundin wäre. Obwohl ich wahrscheinlich in der Außenwahrnehmung total souverän gewirkt habe, habe ich mich innerlich total chaotisch gefühlt.

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HALT! STOP! Doch eigentlich so komplett neu ist die Situation nicht für mich. Ich wurde bereits öfter interviewt. Ich habe schon viele Menschen auf Interviews vorbereitet. Selber habe ich schon Interviews gehalten. Dennoch habe ich Respekt. Respekt, weil es zum ersten Mal meine eigene Person ist, die da so interviewt und von einem wirklich großen Blatt in Österreich abgedruckt wird. Also ich meine so richtig großes Blatt in Österreich. Ich werde interviewt zum Thema Fashion. Ja ihr habt richtig gehört. Ich und Fashion und dann auch noch teure Designerfashion.

Das ganze Team (Fashionexpertin, Visagist, Bildredakteurin, Journalistin, Fotograf, etc) sind super Profis und ich versuche möglichst cool zu wirken und mit viel Sarkasmus und Humor meine Selbstzweifel zu besiegen und vor allem mein schlechtes Gewissen, dass ich mich bei so viel Aufmerksamkeit sauwohlfühle und meine Gedanken, dass ich das nicht verdient hätte etc. Umso lustiger und offener werde ich, obwohl ich mich immer wieder bei den Gedanken ertappte, seriös und souverän zu bleiben. Ruhig, seriös und souverän ein Business MUST, um nicht Gefahr zu laufen, dass etwas schiefläuft und ich als Freak abgestempelt werde, weil ich ja im Grunde diese Menschen im Moment um mich nicht gut kenne. An irgendeinen Punkt wird es mir egal, ein Grinser huscht mir über die Lippen, weil ich die Situation so wie sie ist, einfach genieße.

Wir befinden uns in Parndorf. Parndorf im Burgenland, ein Stückchen östlich von Wien. Genauer befinde ich mich in einem Café in Parndorf im Designer-Outlet. Die Journalistin bereitet mich auf den heutigen Tag vor. Ich werde gleich mit einer Fashionexpertin durch die Designerläden gehen und wir werden uns etwas für mich aussuchen. Danach Friseur, Schminke und danach Fotoshooting. Ok, auf was lasse ich mich da wohl heute ein, denke ich mir, atme durch und freue mich schon auf diese Erfahrung (vor allem auf das Shooting und meine neue Seite an mir selbst).

Klamotten von der Stange von einem Designer müssen zu einem passen und wenn nicht dann gibt es noch viele weitere Designer. Ich verstehe nicht warum sich so viele Frauen so besessen kaputtmachen mit Diäten und Schönheits-OPs nur, damit ihr Körper zu einem speziellen Designer passt.

Als ich vor ein paar Wochen den Anruf bekam, war ich überrascht. ICH!? Fashion und dann auch noch gerade etablierte Designerklamotten?! Ja wahrscheinlich würde jedes andere Bloggermädel schreiend und kreischend zusammenbrechen für so eine Chance. Gerade die, die jede Woche mindestens 5 Postings darüber schreiben, ob sie lieber die Versace Boots mit gold oder silber Absätzen nehmen sollten. Da ich mir selbst zu solchen Fragen des Lebens eigentlich am wenigsten den Kopf zerbreche bzw ich über solche Fragen grundsätzliche nicht stolpere, weil dieser Luxus -ohne Bewertung- an mir vorbeigeht und ich es auch nicht, wenn ich in dem Luxus wäre, denk ich, als etwas derartig Wichtiges erachte, dass ich einen ganzen Blog damit befüllen könnte. Nunja jeden das seine.

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Wer mich persönlich kennt, weiß, wie wurscht es mir ist, welchen Namen ein Kleidungsstück trägt, was so oder so in Asien bzw in Billiglohnländern erzeugt wurde. Wichtig ist mir, ob das Kleidungsstück gut aussieht, Material gut ist und zu mir passt und das geht vor Markennamen. Auch greife ich gerne tiefer ins Geldbörserl bei Upcycling Designerklamotten bzw Funktions-Klamotten. Die Idee etwas wiederzuverwerten finde ich toll. Mir ist gut angezogen sehr wichtig. Ein gepflegtes Äußeres ist ein Respekt gegenüber sich selbst und anderen. Keine Frage gerade bei Krankheit ist das nicht immer möglich, dass hab ich am eigenen Leib erfahren, aber ich denke der Versuch sich zu Pflegen gehört zu einem geordneten, schönen Leben für sich selbst dazu.

Ich finde es immer fürchterlich dumm oder sagen wir traurig, wenn sich Frauen fertigmachen mit Gewichtsabnahme und Schönheits-OP nur, damit sie in die Klamotten von einem speziellen Designer passen. Das ist zum Teil richtige Besessenheit, mich wundert es daher nicht, wenn so viele Frauen herumlaufen, die zwar äußerlich total attraktiv sind, aber eine total negative Ausstrahlung besitzen, weil sie so frustriert sind und somit dann im teuersten Designerkleid farblos und verbittert aussehen. Ich finde das extrem schade dann.

Bei mir hat die Neugierde gesiegt, wie ist das wohl wenn ich gestylt werde, was machen die Klamotten mit mir?  Wie werde ich aussehen und auf den Fotos wirken?

Die richtige Kleidung am richtigen Ort ist eine Respektsache. Schon alleine der Respekt vor sich selbst, sich selbst Gutes zu tun und gut auf sich und seinen Körper aufzupassen und der Respekt vor anderen Menschen.

Bereits meine Oma hat immer gesagt: „Im Krieg hatten wir nichts mehr, aber dennoch haben wir geschaut, dass die Familie immer sauber und gepflegt angezogen ist. Das ist nämlich keine Sache des Geldes, sondern ob du geschickt bist.“ Da kann ich ihr nur zustimmen, den aus den einfachsten Klamotten kann man viel zaubern, solange sie sauber und gepflegt sind.

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Ich gebe zu, seit ein einiger Zeit kaufe ich auch wieder ab und an Markenklamotten oder in Boutiquen, das liegt nicht daran, dass ich gerne viel Geld für Dinge ausgebe, sondern das ist schlichtweg ein zeitliches Thema. Ich gehöre, leider nicht zu der Sorte Frau, die in jeder freien Minute in ihrer Freizeit Spaß am Shoppen gehen hat. Im Gegenteil ich empfinde es manchmal sogar als Belastung. Da braucht man ein schickes Kleid oder Kostüm, Hose für einen entsprechenden Anlass und die Suche verschlingt Zeit. Auch bin ich niemals im Reichtum geschwommen, darum war die Auswahl der Kleider nochmals um einiges schwieriger. Es gab Jahre da habe ich mir kein einziges Kleidungsstück kaufen können und wenn ich mir etwas gekauft habe, habe ich lange überlegt um die richtige Entscheidung zu fällen. Das ist auch heute noch so, dass ich länger zum Entscheiden brauche bei Klamotten.

Heute weiß ich allerdings, wenn ich Klamotten kaufen gehe, gewisse Marken | Boutiquen passen zu mir und andere wieder nicht. Nicht alle Modedesigner schneiden in einem Stil Klamotten, die zu mir und meiner Körperform passen (auch wenn ich 20 kg abnehmen würde und 5mal die Woche trainieren würde) und ich denke, es gibt nichts Schlimmeres, als wenn sich Frau in ein Kleidungsstück zwängt, nur weil es von Versace oder sonst jemanden ist, nur der Marke wegen. Ich denke, das ist dann weder im Sinn vom Designer noch (hoffentlich) von der Frau.

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Ich hatte oftmals Momente, wo ich mich wirklich schlecht fühlte. Wie zum Beispiel kann ich mich an eine Situation an unserem Uni-Campus erinnern. Ich bin mit meinem damaligen Freund vor der Bibliothek gestanden und hatte gerade meinen Wintermantel das erste Mal in dieser Saison an. Meinen Wintermantel hatte ich schon gut 8 Jahre. Da kam dann eines der Juristenpärchen um die Kurve. Beide Eltern aus sehr gutem Hause.

Beide kannten wir schon einige Jahre seit dem Studium, aber flüchtig. Sie hatte wiedermal einen komplett neuen Mantel an. Sie kam auf mich zu und grüßte mich und ich fühlte mich schlecht. Ich fühlte mich wie ein hässliches Entlein. Ich fühlte mich so hilflos in dem Moment. Als das Pärchen wieder weg war, sagte ich zu meinen damaligen Freund: „Weißt du, was schlimm ist, ich weiß, dass ich noch um eine tausendfache bessere Studienleistung haben kann und mich abrackern werde und trotzdem werde ich mir nicht 2-mal im Jahr einen neuen Designermantel leisten können, wie die beiden da, und ich werde mich vielleicht immer mein ganzes Leben klein und minderbemittelt neben solchen Personen fühlen. Mein damaliger Freund sagte dann aber zu mir etwas Wesentliches:

„Ja vielleicht wirst du dir nicht so viele Mäntel im Jahr leisten können. Aber was solls du hast dich, deine Persönlichkeit und deinen Verstand und deine Würde, deinen Witz und Ironie und das ist mehr Wert als alle Mäntel | Klamotten Designer-Ware der Welt.“

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich verstand, was er meinte. Ich hatte dann eine sehr einprägsame Erfahrung in der Türkei. Als ich bei 38 Grad in einem mir viel zu engen schweinchen-rosa Body mit einem Rock aus Gummizug auf die Bühne vor 300 Leute gehen musste, weil bereits alle anderen Kostüme plötzlich weg waren. Meine Lieblings-Kollegin aus Österreich die mich vom ersten Moment an hasste und mir das auch direkt ins Gesicht sagte, dass ich ihr nicht ins Gesicht stehe und sie somit Rache an mir ausübt (?!), hatte mir nicht den richtigen Zeitpunkt gesagt, darum war ich zu spät beim Bühendienst und dann hat sie mir das hässlichste Kostüm übriggelassen, was meiner Figur besonders gut schmeichelte und alle anderen Kostüme versteckt.

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Ich war in der absoluten Zwickmühle, trat ich nicht auf, wurden meine Pausen für die nächsten Tage zu schlechteren Zeiten verlegt bzw ganz gestrichen bzw konnte ich mir von meinem Chef ein Schreikonzert anhören und er hätte das ganze Team zur Strafe stehen geschickt. Ich zog das Kostüm an, und damit ich nicht in Tränen ausgebrochen wäre, weil diese Ehre hätte ich dieser doofen Kollegin nicht gegeben, habe ich mit meinem Verstand angefangen Kopfkino zu betreiben. Will heißen ich habe mir ein ganz tolles Kostüm auf meinen Körper vorgestellt. Ein Kostüm, in dem ich wunderschön aussehe und mit dieser Würde bin ich auf die Bühne gegangen. Was soll ich sagen es hat funktioniert! Der Mut zur Hässlichkeit hat sich gelohnt. Ich habe alles wunderbar über die Bühne gebracht. Ich habe zwar danach einige Zeit im Kämmerchen für mich alleine geheult, weil es mir soviel Energie | Kraft gekostet hat und mich diese Racheaktion meiner Kollegin wirklich im Herzen traf bzw ich mich eigentlich selbst betrauerte, warum ich in so eine blöde Situation geraten bin und ich nicht verstand wie jemand so bösartig sein kann. Auch wenns damals für mich sehr anstrengend war, hat mich dieser Satz „Leben und Leben lassen“ immer wieder gerettet, dass ich es selbst gut mit mir meine und an mich weiter glaubte, dass ich ein liebeswerter Mensch bin so wie ich bin auch wenn die ganze Welte das Gegenteil behaupten würde.

Habt ihr auch solche Erfahrungen? Wie seit ihr damit umgegangen?

Wieder zurück zum rosaroten Wurst-Body. Dennoch, ich habe ganz viel Anerkennung und Komplimente erhalten von den Zusehern, dass ich so genial in dem Kostüm war, aber das Wesentlichste was ich an diesem Abend gelernt habe. Das ich anhaben kann was ich will, durch meinen Kopf/Verstand kann ich mich fühlen, wie ICH will. Genial oder?

Das Geheimnis ist nämlich Folgendes: Es kommt nicht zu 100 % darauf an, WAS man trägt, sondern WIE man es trägt und das lässt sich mit seinem Verstand und seinen Gedanken steuern. Ich würde sagen 60 % Klamotten und der Rest ist das WIE.

Der Punkt ist nur, es kostet unglaublich viel Energie, wenn die Wirklichkeit mit der Vorstellungskraft ziemlich weit auseinanderliegt, um es auszublenden, dass man im Moment wirklich schei*e aussieht und sich auch so fühlt. Darum sei gepflegt angezogen und stell dir vor du bist super schön, dann passt auch die Ausstrahlung. Ich denke auch, Menschen müssen nicht im klassischen Sinne schön sein, sondern Persönlichkeit haben, das ist viel wichtiger. Oder wie es eine Bekannte von mir mal ausgedrückt hat: „Menschen, die man lieb gewinnt werden automatisch schön.“

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Und an diesem Tag da in Parndorf, habe ich mich super schön und anders gefühlt. Ich wurde frisiert, geschminkt und angezogen. Ich hatte unter anderem Sachen von Stefanel an und der Clutch in blaubraun hat es mir schwer angetan. Als ich dann so vor der Kamera stand, habe ich einfach wieder meinen Verstand und meine Vorstellungskraft genutzt. Ich hatte einen Heidenspaß beim Shooten und bin schon mega-gespannt auf die Fotos. Angeblich im nächsten Samstags-Kurier, im Beilagenblatt ist es dann soweit – 14. November 2015.

Am Abend bin ich dann heimgefahren. Die Anspannung hat sich dann gelöst. Spätestens als ich in meiner Wohnung angekommen bin, war ich wieder die andere Doris, die die nicht performt, die sich selbst genügt und die, die keinen Selbstschutzpanzer braucht. Keine Show braucht und verletzlich ist, die private Doris. Die die weiß, dass teure Designerklamotten und Mode eine Form eines Kostüms ist, einer Show ist. Die, die weiß, dass die besten Klamotten der Welt niemals ihre Persönlichkeit ersetzen wird, sondern höchstens interpretieren oder auch abwechslungsreicher gestalten können. Die, die weiß, dass es egal ist, was man trägt, man bleibt immer sich selbst, egal was die Anderen sagen, auch wenns manchmal nicht leicht ist. Man kann es halt nicht jeden recht machen, die Hauptsache ist aber, es sich selbst recht zu machen, oder?

Wie geht’s euch da so mit der Selbstliebe? Was machen bei Euch spezielle Klamotten aus? Legt Ihr Wert auf schicke Klamotten? Müssen es bei Euch Designer-/Marken-Klamotten sein?

Es war ein langer Tag und auch wenn das Model sein, irre viel Spaß macht, es ist Arbeit. Arbeit eine neue Seite an sich zu sehen, Arbeit eine neue Seite von sich zu zulassen und diese mit seiner eigenen Persönlichkeit zu versehen. Kurzum, es war eine wunderschöne Arbeit und vorallem eine großartige Erfahrung und ich sage vom ganzen Herzen danke an das großartige Freizeit-Kurier-Team und Parndorf Designer-Outlet.

Ich bin schon sehr gespannt auf den Bericht, die Fotos (wie ich darauf wirke) und auch gespannt darauf was ihr, liebe LeserInnen, dazu sagt.

Alles liebe,

Unbenannt_Signatur Doris

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  1. Pingback: Baba 2015 – Dorisworld.at geht 2016 | DorisWorld.at

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