Life update: Die Coronazeit und ich

Das Jahr habe ich mir bis dato anders vorgestellt. Mittlerweile habe ich fast sieben Wochen „Quarantäne“ hinter mir. Alleine. Ich bin zwar grundsätzlich viel alleine, gerade die letzten Jahre, weil ich die Ruhe brauche, um wieder Kraft zu schöpfen, jedoch so viel alleine ohne wirkliche menschliche Kontakte war ich schon lange nicht mehr. Wie gut doch manchmal eine Umarmung tut! Wie gut es doch manchmal ist, wenn dich jemand in echt wahrnimmt und dir aufrichtig in die Augen schaut.

Trotzdem kann ich von mir sagen, dass ich die „Quarantäne“ mental gut und gesund für mich überstanden habe.

Die ersten Wochen waren auch für mich ein Schock. Am Mittwoch, den 11. März war mir klar, da wird etwas Größeres auf uns zu kommen. Intuitiv habe ich in der Arbeit bereits begonnen den ersten Corona-Newsletter vorzubereiten. Am Donnerstag bzw. Freitag dann die klare Anweisung meines Vorgesetzten, dass die ersten Sicherheitsmaßnahmen im öffentlichen Verkehr in Oberösterreich umgesetzt werden. Wir haben dann innerhalb kürzester Zeit mehr als 300.000 Menschen über die Maßnahmen – digital, direkt – informiert. Alle Tourismus-Kampagnen die eine öffentliche Anreise fördern wurden gestoppt.

Ein Leben lang werde ich mich an Freitag, den 13. März 2020 erinnern.

Ich bin um ca 14 Uhr aus der Arbeit und die Stimmung war sehr eigenartig. Man spürte förmlich die Angst und die Unsicherheit. Einen Wirtschaftsshoutdown in der Größenordnung hat es seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr gegeben. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Die letzten Tage habe ich laufend die Pressekonferenzen von unserer Regierung verfolgt. Ich war in Kontakt mit meinen Freunden die im Ausland leben. Meine Freunde aus Italien berichteten, dass sie nun zuhause sitzen und warten, was die italienische Regierung tut. Es war alles surreal.

Österreich eines der reichsten Länder der Welt mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von mehr als 2 % hat tatsächlich beschlossen die nächsten Wochen die Wirtschaft komplett abzudrehen.

Der Billa auf der Landstraße, wie auch der Spar in Urfahr waren ein Schlachtfeld. Österreich ist ein Land im Überfluss. Tag und Nacht ausgenommen an einem Sonntag kann man im Handel alles kaufen. Alles – ja auch das nicht Notwendige. Als ich am Freitag, den 13. März 2020 den Billa auf der Landstraße betrat, hatte ich fast schon Reisefeeling. Warum? Weil ich es eigentlich nur bei meinen Reisen gewohnt bin, dass ich einen Supermarkt betrete, und es sind dort nur ein paar ausgewählte Waren anzutreffen. Am Freitag, den 13. März 2020 war in Linz alles anders. Die Menschen in Österreich haben die Supermärkte gestürmt und haben sich mit Mehl, Nudeln, Klopapier und Germ eingedeckt.

Ich habe ein bisschen was eingekauft. Ein bisschen Vollkornbrot, ein bisschen Butter und Gemüse. Außerdem habe ich mir noch eine Flasche Aperol und einen guten Veltliner gekauft. Ich wusste auf Balkonien, in meiner Freizeit, werde ich mich länger einrichten müssen, darum konnte ein Aperol-Spritz für ein bisschen Urlaubsfeeling sicherlich nicht schaden.

Freitag der 13. März 2020 war auch der letzte Tag in meinem Büro. Seitdem arbeite ich von zuhause.

Existenzangst hatte ich, Gott sei Dank, während der Zeit nie. Ich habe bereits in jungen Jahren gelernt, dass ich es soweit nie kommen lassen möchte, dass ich in einer Situation wie Existenzangst bin. Das heißt, auch auf einiges immer wieder zu verzichten, dafür bin ich aber sicher und es wird mir an lebenswichtiger Grundversorgung – hoffentlich – niemals mangeln. Mir ist schon klar, dass es keine Sicherheit in unserer Welt gibt und man manchmal ein Risiko eingehen muss, um sein Leben zu leben, trotzdem sieht man gerade in Zeiten wie diesen, dass es einen Unterschied macht, ob man jeden Tag „von der Hand in den Mund lebt“ oder doch ein bisschen Vorsorge getroffen hat.

Der Konsum in Europa hat die letzten Jahre eine Dimension erreicht, der weit weg von einem gesunden, nachhaltigen und glücklichen Leben ist. Ich hoffe, dass durch die Coronazeit vielen Menschen mehr bewusst wird, dass sie eigentlich viel weniger brauchen, um glücklich zu sein und dadurch auch die Umwelt, die Natur mehr schonen könnten.

Was mich ziemlich heftig während der „Quarantäne“ beschäftigt hat, war das Gefühl von machtlos und eingesperrt sein. Wie sehr doch ein Staat innerhalb kürzester Zeit dein ganzes Leben umdrehen und bestimmen kann? Die Staatsmacht ist schon gewaltig!

Ich habe die sieben Wochen im Homeoffice, trotz viel Arbeit und Belastung,  geliebt. Das einzige Manko war, dass ich so wenig raus konnte. Normalerweise, wenn ich so viel vorm Computer sitze, dann brauche ich Ausgleich. Lange Spaziergänge, frische Luft und Natur. Rund um meine Wohnung war das eher schwer möglich.

Ich habe mich während den letzten sieben Wochen unendlich eingesperrt gefühlt, weil wenn ich mal draußen spazieren war und einmal ein Fleckchen grün erwischt habe, waren da wieder gefühlt eine Million Menschen unterwegs die wenig Abstand gehalten haben und das hat mich gestresst.

Linz ist zwar eine lebenswerte Stadt, aber durch die Corona-Zeit habe ich noch mehr gemerkt, Linz und ich haben sich schon lange als Lebensmittelpunkt voneinander getrennt.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir jemals zusammen waren. Ich lebe zwar seit mehr als 20 Jahren mit Unterbrechungen in dieser Stadt, kenne sie wie meine Westentasche, und doch haben die Stadt und ich nie zu einander gefunden. Es war reine Bequemlichkeit und ein Mangel an guten Perspektiven, darum bin ich geblieben. Ich habe lange versucht mit der Stadt „warm“ zu werden. Für mich ist es jetzt nur noch eine Geduldsfrage bis ich meine neue Wohnung außerhalb von Linz bekomme und dann werde ich weiter sehen.

Die wenige Freizeit, die ich in der „Quarantäne“ neben meiner Arbeit gehabt habe, habe ich versucht möglichst bildschirmfrei zu verbringen. Das heißt wenig bis gar kein fernsehen, Social Media oder Sonstiges. Ich habe mir viel gekocht. Einmal am Tag bin ich eine Runde um mein Viertel gegangen. Meinen Balkon habe ich mit Kräutern und einer Tomatenpflanze bepflanzt. Ich habe viele Podcasts gehört und bin auf Balkonien in der Sonne gelegen. Ich habe drei Bücher ausgelesen. Meine Vorhänge runtergeschnitten und meine Jalousien gereinigt. Sonst bin ich einfach meinen Gedanken nachgehangen und es war herrlich – ein bisschen weniger von der üblichen Hektik hat uns sicherlich allen nicht geschadet.

Ich habe zwar gesund gegessen aber die letzten sieben Wochen definitiv zu viel. Höchstgewicht seit mehr als sechs Jahren! Ich werde mich aber deswegen nicht verrückt machen. Wenn ich mental an meine Grenzen gehe, ich keine Möglichkeit habe ausreichend ins Grüne zu kommen, um mich dort zu bewegen, und die Ruhe und Stille nicht wahrnehmen kann, weil die Welt um mich so fordert, kurzum ich eine Situation als belastend und machtlos wahrnehme, dann esse ich mehr und mein Körper bunkert ein. Früher hätte ich mich dafür verurteilt.

Mittlerweile sehe ich aber alles schon entspannter: „Lieber rund und g`sund als krank und deppat.“

Trotzdem möchte ich die nächsten Wochen wieder mehr darauf achten, dass ich die Portionsgrößen wieder bewusster wähle. Außerdem wird es wie oben im Text bereits erwähnt, nach bald acht Jahren, eine räumliche Veränderung für mich geben. Ich bin schon sehr gespannt darauf, und auch was uns das besondere Jahr 2020 sonst noch so bringen wird. Im Jahr 2020, also heuer, werde ich 40 Jahre alt. Der 40er macht mir Kopf, aber das ist eine andere Geschichte …

Wie habt ihr die „Quarantäne“ erlebt? Ihr könnt mir gerne schreiben, wie es euch gegangen ist. Ich freue mich über eure Berichte in den Kommentaren!

Ein Kommentar zu „Life update: Die Coronazeit und ich

  1. Hallo Doris gerade gestern habe ich auf Deine Seite geschaut und auf die Gruppe bei FB. Schön dass Du Ok bist. Ich wohne auf dem Land da hatte ich Auslauf. Ja anfangs hatte ich auch Probleme mit Vielessen und noch mehr kg wollte ich wirklich nicht. Siehe da ich habe es geschafft erst Mittags zu essen und da alles zu war ging ich auch mit Freunden nicht essen – keine Alkohol. So gesehen bin ich ganz zufrieden – aber wie Du sagst – so wichtig ist das nicht. Liebe Grüße Gabi

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