Abenteuer Weitwandern Italien: In 7 Tagen, 165 Kilometer von den Alpen bis ans Meer

Ich bin mir noch nicht sicher, was ich hier überhaupt wieder mache. Wir haben laut Eurohike-Routen-Planung vor, 102 km mit 3150 Höhenmeter hoch und 4040 Höhenmeter runter quer durch Italien, Piemont und Ligurien ans Meer zu wandern. Startpunkt ist Alba, die Trüffelhauptstadt. Ende der Wanderreise, San Remo. Ganz ehrlich vor meiner Reise war mir Alba absolut kein Begriff. Wie auch die ganzen anderen Orte die wir laut Plan durchwandern werden. Ich hatte keine Idee wie, die nächsten 7 Tage werden, ob wir alles so schaffen und wir schlussendlich am Meer ankommen. Was wird uns während der Tages-Etappen erwarten? Werden wir es genießen können, welche Abenteuer werden wir erleben? Definitiv stand fest, ich war in absoluter Vorfreude auf das Abenteuer Weiterwandern Piemont, Ligurien. Aber lasst mich berichten…

Anreise: Mit dem Auto von Oberösterreich nach Italien

Mehr als neun Stunden sind wir von Oberösterreich mit dem Auto nach Alba gefahren. Die Mautkosten haben One-Way ca 50 EUR ausgemacht. Dazu noch Tankkosten, denn Benzin ist in Italien irgendwie momentan richtig teuer. Dennoch war die Anreise mit dem Auto die bequemste und günstigste von Österreich aus. Eurohike hat für uns im Voraus die Unterkünfte gebucht. Das erste Hotel in Alba mit einer Tiefgarage, wo wir für 7 Tage unser Auto unterstellen konnten.

Das Besondere an dieser von Eurohike geplanten Ligurien, Piemont Route ans Meer, jeden Tag war ein Unterkunftswechsel geplant. Für mich was Neues, da die anderen Eurohike Reisen, die ich bis dato gemacht habe (Mallorca, Sardinien, Ausseerland), meistens mindestens mit 2 Nächten in derselben Unterkunft waren. Kurzum ich musste so packen, dass ich schnell mein Haupt-Gepäck in einen Tag aus- und wieder einpacken konnte. Den Tages-/Wanderrucksack habe ich versucht so schmal und leicht wie möglich zu halten, weil jedes kg mehr am Rücken ist, bei so langen Geh-Distanzen einfach mit der Zeit unnötig anstrengend.

Alba: Die Trüffelhauptstadt

Alba liegt mitten im Piemont und ist eine italienische Genuss-Hauptstadt schlecht hin. Eingekesselt von Weinbergen und Nutella-Haselnuss-Sträuchern mit einer malerischen Altstadt aus dem Mittelalter. Wir hätten unsere Ankunft in Alba nicht besser planen können, da zu der Zeit ein Genuss-Festival stattfand. Das heißt, man bekommt ein Weinglas in einer kleinen Stoffhandtasche und schlemmt sich so quasi quer durch die Altstadt. Wir haben Asti, wie auch Nebbiolo und Barolo probiert. Haben Tortellini mit Schwammerlfüllung genascht und Wurst bzw Trüffel-Salami aus dem Piemont. Die leichten Sommertemperaturen, der Wein, das gute Essen und das wunderschöne italienische Ambientes haben ziemlich schnell dazu beigetragen, dass wir uns im „Dolce Vita“ fühlten. Ihr merkt, ich schreibe immer von WIR. Ja, dieses Mal habe ich meine Eurohike-Reise nicht alleine gemacht. Eine liebe Wander-Freundin von mir aus Oberösterreich hat mich begleitet und ich war sehr dankbar dafür. Die Tages-Touren waren im Nachhinein gesehen, nicht immer leicht, da wir doch ein paar Hindernisse zu bewältigen hatten. Allerdings mit gemeinsamer Unterstützung und einem ähnlichen Humor haben wir dennoch alles geschafft. Mir tat sogar manchmal der Bauch weh, weil wir so viel gemeinsam gelacht haben. Auch einige Gänsehautmomente konnten wir gemeinsam erleben. Kurzum ich war unendlich dankbar, dass ich auf dieser Tour eine grandiose Begleitung hatte. Zwei Mädels zu Fuß durch Italien, das kann ja nur nach Spaß und Herausforderung schreien. Nunja, aber lasst mich berichten, was wir erlebt haben.

Von Alba nach Monforte: Durch die Weingärten

Geplante, reine Gehzeit: 4,5 h, 16 km Wegstrecke, 600 Höhenmeter hoch und 250 runter. Ok, was da im Plan stand schien machbar zu sein. Allerdings kam alles ganz anders als erwartet. Tatsächlich Gehzeit: ca 6 Stunden, 26,6 km und viele mehr Höhenmeter als geplant.

Morgens ging es mit dem Eurohike-Taxi-Transfer in eine Siedlung zum Einstiegspunkt. Der Taxilenker fragte uns was wir tun werden, wir erklärten ihm, dass wir vorhaben von Alba nach San Remo zu Fuß zu gehen. Er blickte uns erschreckt an und meinte: „Warum tut man so was, irgendwie ist das doch verrückt, so weit zu gehen.“ Ganz ehrlich, ich war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst, wie weit es tatsächlich ist. Ich denke, es ist alles eine Kopfsache. Was ist schon weit, was ist nicht weit? Ich habe mich eigentlich nur auf das Gehen fokussiert, einfach einen Fuß vor den anderen zu setzten. Irgendwann wird man schon wo ankommen, dachten ich mir.

Die Wanderung startet für uns bei einer Siedlung ein bisschen außerhalb von Alba. Also genauer in Roddi. Es roch nach Flieder und die Sonne brannte bereits, obwohl es erst ca 9:30 Uhr war. Es versprach, ein heißer Tag zu werden. Den Regenschutz und die Jacke im Rucksack hätte ich mir sparen können, dachte ich mir noch, während wir anfingen zu gehen. Durch die Wein- und Haselnuss-Gärten führten einsame Trampelpfade, die sanft auf und ab gingen mit Ausblick auf die Langhe-Region. Das Gehen mit der Aussicht, den Naturgerüchen und die Ruhe, Stille in den Weinbergen machten jeden Schritt zum Hochgenuss.

Kurz vor Mittag erreichten wir den Ort La Morra, wo uns einige Renn-Radfahrer begegneten, wie auch Menschen die gerade zum Sonntags-Mittagessen auf ein Glas Wein zusammensaßen. Was uns schon während der ersten Wanderkilometer aufgefallen ist, dass es überall Brunnen gab, um Wanderern, wie uns, oder Radfahrern das Auffüllen ihrer Wasserflaschen zu ermöglichen. Im Schatten eines Cafe am Weg tranken wir einen kleinen Espresso, um dann unsere Wanderung zum Garten hinter der Kirche fortzusetzen. Dort versprach uns unser Eurohike-Büchlein eine bezaubernde Aussicht auf die Langhe Region, die sich auch bestätigte allerdings durch leicht diesiges Wetter nicht so ganz klar wie sie sein hätte können, was aber unserer guten Stimmung keinen Abbruch tat. Das Einzige was uns, also mir ein bisschen an der Stimmung nagte, war das ich davor unabsichtlich in frische Hundescheiße gestiegen bin, was wahrscheinlich der Vorbote oder die Vorwarnung für die nächsten Tage war. Weiter durch die Gassen von La Morra ging es durch die Weinberge an unzähligen Weinbauern und wunderschönen Luxus-Winzer-Herbergen vorbei nach Barolo.

Barolo ist weltweit bekannt durch seinen Wein. Ein bezauberndes Städtchen und ja klar wir haben uns im Schatten in der heißen Nachmittagssonne in Barolo einen kühlen Wein genehmigt. Er war köstlich. Beschwingt und guten Mutes, das wir nur mehr ein paar Kilometer zu laufen und somit rechtzeitig zu unserer Weinverkostung in Monforte ankommen werden sind wir in Barolo aufgebrochen, und obwohl das Dörfchen sehr klein ist, wir uns mit Kartenmaterial mehrmals versuchten zu orientieren, haben wir dennoch den falschen Weg raus aus Barolo genommen. Ein fataler Fehler, der sich auf mehrere weitere Kilometer und Höhenmeter Umweg auswirkte. Dennoch wären wir rechtzeitig zur Weinverkostung gekommen, wenn uns nicht vor Monforte ein weiterer Fehler unterlaufen wäre, wir sind zum falschen Winzer gegangen bzw haben wir den richtigen nie gefunden. Wir haben daher für uns die Weinverkostung dann abgehakt vielleicht durfte es einfach nicht sein. Außerdem war meiner Haut schon ziemlich heiß, da die Höhenmeter in den Bergen, das auf und ab und die Sonne sehr intensiv waren. Weiter spürte ich die letzten Kilometer bereits meine Fußsohlen sehr intensiv und war eigentlich schon froh auf unsere Ankunft um mein Schuhwerk zu wechseln.

Bei der Ankunft bei unserer schönen Unterkunft in Monforte gabs definitiv einmal einen großen Aperol-Spritz und dieser hat definitiv für alles, aber alles entschädigt. Ich war so dankbar, so glücklich, so einen schönen Tag erlebt zu haben. Nach einer entspannten Dusche gab es Pizza beim Wirten neben unserer Unterkunft. Das war so lecker und danach hab ich geschlafen wie ein Stein.

Von Monforte nach Bossolasco: Der wahre (Nutella)-Haselnusskuchen

Geplante reine Gehzeit 5,5 Stunden, 20,55 km Wegstrecke, 700 Höhenmeter hoch und 450 Höhenmeter wieder runter. Tatsächliche Gehzeit 6 Stunden, 25,2 km Wegstrecke, ca 700 Höhenmeter hoch und ca 450 Höhenmeter wieder runter. Diesmal keine Umwege außer zur Essensbeschaffung und Aussicht genießen.

Wir sind früh aufgestanden und haben uns für den neuen Marsch zurechtgemacht. Frühstück gabs um 08:00 und um ca 08:30 sind wir von der Unterkunft aufgebrochen. Zuerst ging es im Gassengewirr von Monforte hoch dann Richtung Roddino, 100e von kläffenden Hunden begleiteten unseren Weg. Jedes Haus hat hier mindestens 2-5 Hunde. Entweder im Garten angehängt, im Zwinger, freilaufend oder als Wanderer, also für mich, im worst case komplett freilaufend. Die Hunde hören einem meistens schon 100e Meter im Voraus und dadurch, dass die Gegend sehr verlassen ist, sind meistens Hunde-Besitzer nicht vorhanden. Ich kann wirklich allen die vor Hunden bzw fremden Hunden Angst haben empfehlen in solchen Fällen ruhig zu bleiben und ja nicht hektisch zu werden. Ich hatte Gott sei Dank, meine liebe Wanderkollegin bei der Reise dabei, die mir immer Vorwarnungen schickte, da sie vorausging, ob uns gleich ein Hund entgegenlaufen wird oder nicht. Ich muss ehrlich gestehen, freilaufende fremde, ausländische zähnefletschende Hunde in einsamen Gegenden sind jetzt nicht so meine Traumkombination. Tja, aber wenn man so Wanderreisen macht und so richtig ein Land kennenlernen möchte, gehören halt manche Abenteuer und Hindernisse irgendwie dazu.

Mitten durch die Weinberge ging es dann nach Roddino. Die Sonne brannte abermals heiß vom Himmel, aber die wunderschöne Landschaft entschädigte dafür. In Roddino, einem kleinen „verlassenen“ Ort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, haben wir unser Mittagsmahl im Schatten der Kirche eingenommen. Nüsse und Wasser. Während der Wanderung kann ich selten viel essen, weil ein voller Magen geht nicht gerne. Die Häuser rund um die Kirche wie aus einem alten Don Camillo und Peppone Film.

Weiter ging es durch Felder, Wiesen nach Serravalle. Am Panoramaplatz in Seravalle genießen wir den Wind, der uns ein bisschen abkühlt und die Ruhe. Bei der Bar neben der Kirche finden wir als einzige Gäste Platz und werden mit einem frischgebackenen Haselnuss-Kuchen verwöhnt. Die Haselnuss ist in dieser Gegend etwas Besonderes, sie schmeckt nach Nutella. Ja nach Nutella, da genau mit dieser Haselnuss-Sorte Nutella produziert wird. Der Nutella-Haselnusskuchen schmeckt köstlich, noch ein paar Kilometer liegen vor uns. Wir brechen auf und meine Fuß-Sohlen beginnen bereits wieder zu schmerzen.

Es sind noch einige Kilometer bis zur Rosenstadt, bis nach Bossolasco. In der Weite sehe ich bereits den Kirchturm, in der Nähe des Kirchturms ist laut Routenplaner unsere Unterkunft. Wir gehen durch Bossolasco durch, abermals ein wunderschönes Dörfchen. Sehr ruhig, oben bei der Kirche angekommen, genießen wir nochmals die wunderschöne Aussicht. Überall sehen wir Rosen an den Mauern des mittelalterlichen Dorfes. Die Rosen blühen noch nicht vollständig, allerdings wenn hier alles blüht, muss das die Schönheit des Dörfchens mindestens nochmals dreifach unterstreichen. Unsere Unterkunft beherbergt scheinbar ein in der Gegend sehr bekanntes Hauben-Restaurant. Unser zweistöckiges Zimmer in einem altmodernen Stil, mit einem Balkon mit einer wunderschönen Aussicht. Wir sind nur mehr müde, ziehen unsere Wanderschuhe aus und genehmigen uns einen Aperol-Spritz mit italienischen Tapas unten auf der Terrasse. Nach der Dusche und nach dem Abendessen, wo ich das erste Mal seit Langem wiedermal Stangensellerie mit Nüssen und Käse esse (ein Rezept, welches mir meine damalige Wohnkollegin aus Turin in Schweden gezeigt hat und einfach nur köstlich ist), fallen wir beide müde ins Bett und abermals schlafe ich wie ein Stein. Die Ruhe in dieser Gegend ist direkt ein bisschen ungewohnt.

 

Von Bossolasco nach Millesimo: Hallo ist da wer?

Geplante reine Gehzeit 5 Stunden, 20,75 km Wegstrecke, 450 Höhenmeter hoch und 800 Höhenmeter wieder runter. Diesmal keine Umwege außer wiedermal ein paar Kilometer mehr zur Essensbeschaffung gegangen.

Abermals sind wir nach dem wirklich guten Bio-Frühstück von unserer Unterkunft aufgebrochen. Ziel war es heute pünktlich am Piazza in Monesiglio um 16:00 Uhr anzukommen, damit wir den Transfer nach Millesimo rechtzeitig erreichen. Ich muss ehrlich gestehen ich freute mich schon auf Millesimo, auf ein bisschen mehr Leben und Stadt. Zuerst ging es durch Bossolasco und dann auf und ab durch die Landschaft. Menschen sind uns selten begegnet dafür wieder Hunde. Unzählige Hunde begrüßten uns mit lautstarken bellen, abermals aus Gärten hinter hohen Zäunen, durch den Zwinger, an der Leine oder im schlimmsten Fall freilaufend. Der Stress mit den Hunden machte allerdings die Landschaft wieder wett. Es ging durch das Belbo-Tal ewig lange hinab und dann wieder hoch an alten Steinhäusern vorbei. Bis wir in Mobarcaro (ca 270 Einwohner) angekommen sind. Das Wetter war sehr diesig und somit die Aussicht sehr bescheiden. Dafür gabs einen Cappuccino in Mombarcaro wo uns auch die ersten Menschen wieder begegnet sind. Drei Mountainbike-Fahrer hatten die selbe Idee mit dem Cappuccino. Das kleine Dorf ist wunderschön und durch die Gassen ging es für uns weiter Richtung Monesiglio. Schon von weiten haben wir das Kastell von Monesiglio gesehen und haben uns schon auf einen belebten Piazza gefreut, weil auch diesmal ist uns keine Menschenseele am Weg begegnet. Um ca 14:00 Uhr haben wir den Piazza erreicht während wir die 2 Stunden genießend in der Sonne auf den Transfer gewartet haben ist genau eine Großmutter über den Piazza gegangen. Belebt war auch hier etwas anderes. Während ich diesen letzten Eindruck aus dem Piemont noch verarbeiten musste, fuhr uns unser Transfer ins ein paar Kilometer entfernte Millesimo in Ligurien.

 

Von Millesimo nach Bardineto: Anstrengung und Gänsehaut-Momente mit und ohne Nebel

Geplante reine Gehzeit 5,5 Stunden, 17,5 km Wegstrecke, 450 Höhenmeter hoch und 800 Höhenmeter wieder runter. Diesmal einen großen Umweg gemacht. Im Nebel falschen Gipfel erwischt, somit zwei Gipfel gemacht, dafür aber Gänsehaut-Moment am zweiten Gipfel. Tatsächlich 26,7 Kilometer gegangen in ca 6 h reine Gehzeit, ca 800 Höhenmeter hoch und wieder runter gegangen. Zwei Gipfel: 1) Bric Agnellino 2) Monte Carmo.

Morgens wurden wir mit dem Auto von Millesimo zum Melogno Pass hochgefahren. Während der Fahrt war ich schon erstaunt, wie viel Nebel da ist. So viel Nebel, dass man nicht mal die Hand vor den Augen sehen konnte. Mitten im Wald umgeben von Nebel sind wir dann aufgebrochen. Immer wieder lichtet sich der Nebel und die diffuse Stimmung war faszinierend. Manchmal sind uns unerwartet Mountainbike-Fahrer aus der Nebelwand entgegen gekommen. Bei ca Kilometer 4 ist uns dann ein fataler Fehler unterlaufen, der aber wiederum zu etwas sehr guten geführt hat. Bei Kilometer 4 haben wir im Nebel die falsche Abzweigung genommen. Obwohl die Steigung nach der Abzweigung recht ordentlich war und wir uns nicht sicher waren, ob wir richtig sind haben wir nicht umgedreht. Oben angekommen hat sich der Nebel nochmals verdichtet. Plötzlich standen aus dem nichts vor uns Klettersteig-Geher und wir befanden uns auf einem Gipfel. Da waren wir uns bewusst, wir sind hier definitiv falsch und ein Weiterkommen unmöglich. Somit also alles wieder retour und dann weiter durch den dichten Nebel.

Nach ein paar Kilometern dann die richtige Abzweigung. Es ging abermals steil hinauf. Ein paar norwegische Mountainbiker mit dem Mountainbike am Buckel sind uns begegnet. Der Nebel wurde immer dichter, der Berg immer steiler, meine Füße waren bereits müde, hatten noch den anderen Berg gut in Erinnerung. Tja und plötzlich reißt der Nebel auf. Wir sind bei der Nebelgrenze angelangt. Ich sehe das Gipfelkreuz und kann es nicht glauben. Rund um mich der Nebel, wie ein dicker Wattebausch von den Alpen bis ans Meer und die Spitze, also das Gipfelkreuz des Monte Carmo liegt frei. Wer weiß, wenn wir früher als erwartet, ohne diesen Umweg auf den Bric Agnellino, am Monte Carmo gewesen wären, hätten wir wahrscheinlich dieses Naturschauspiel nicht miterleben können. Es war ein Gänsehautmoment pur, schwer zu beschreiben außer, dass einem die Spucke wegbleibt, weil es so unwirklich schön war und wir uns auch bewusst wurden, dass das Meer, also das Ziel unserer Wanderreise nicht mehr weit weg ist.

Monte Carmo – 1389 m: Gänsehaut-Moment

Nach einer Rast am Gipfelkreuz sind wir wieder in den Nebel nach Bardineto abgestiegen. Bardineto ein kleines beschauliches Dörfchen mit 750 Einwohnern. Nach dieser Tour habe ich abermals sehr gut geschlafen.

Von Bardineto nach Albenga: Wir sind am Meer!

Geplante reine Gehzeit 5 Stunden, 15,2 km Wegstrecke, 300 Höhenmeter hoch und 990 Höhenmeter wieder runter. Diesmal 20 km tatsächlich gegangen in einer Gehzeit von 5,5 Stunden.

Morgens nach dem Frühstück ging es mit dem Transfer zum Scravaion-Pass. Startpunkt unserer Tagesetappe. Ein wunderschöner Höhenweg führte uns viele Hunderthöhenmeter zum Meer hinunter. Laut unserer Planung musste man von unserem Höhenweg aus das Meer sehen, leider war auch diesmal durch den Nebel nur manchmal Umrisse zu erahnen und dann wieder auch nicht. Für mich war eine Nebelwanderung wie in diesem Ausmaß wirklich was ganz neues. Ich fand es irgendwie aufregend, allerdings manchmal auch gar nicht so ungefährlich. Der Monte Croce war nicht auf Anhieb so leicht zu finden bzw hörten wir durch den dichten Nebel immer wieder sehr nahes Kuhglocken läuten und waren schon permanent in Erwartungshaltung, dass uns durch den dichten Nebel am engen steilen Pfad ein Tier entgegen kommen wird. Später haben wir herausgefunden, dass es sich um Pferde mit Kuhglocken handelte, die allerdings eingezäunt waren.

Vorbei am Monte Croce ging es dann weiter den Höhenweg hinab und durch den Nebel konnte man immer wieder schon leicht das Meer sehen. Es ging immer weiter hinab und plötzlich hatten wir den Nebel hinter uns und das kleine Küstendorf Ceriale begrüßte uns mit blauen Himmel und warmen Sonnenstrahlen. Was für ein Naturschauspiel, großartig. Mit dem Bus ging es dann nach Albenga, wo auch unsere Unterkunft schon auf uns wartet. Im Küstenort Albenga haben wir dann auch wieder großartig geschlemmt.

Von Albenga nach San Remo: Letzte Tages-Etappe, wir haben es fast geschafft!

Geplante und tatsächliche reine Gehzeit 4,5 Stunden, 14,25 km Wegstrecke, 650 Höhenmeter hoch und 650 Höhenmeter wieder runter.

Von der Strandpromenade Albenga aus ging es hoch hinauf. Ein neuer heißer Tag und der Anstieg ließen mich nochmals ordentlich durchschwitzen. Oben am Monte Bignone angekommen, ist es mir tatsächlich so richtig bewusst geworden. Das war jetzt der letzte große Anstieg unserer Reise. Vom Gipfelkreuz am Monte Bignone sieht man die ligurische Küste entlang und dahinter die Berge, da wo wir gegangen sind. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.

Wir gingen am Höhenweg entlang weiter, bis wir die Madonna della Guardia sehen konnten, dort oben lag unser letzter höchster Punkt von unserer Reise. Die Madonna della Guardia liegt auf der Bergkuppe des Monte Tirasso, 586 Meter über dem Ligurischen Meer. Dort angekommen habe ich eine Kerze angezündet. Meine Dankbarkeitskerze, dass mir mein Körper solche Touren ermöglicht, dass ich solche wunderschönen Abenteuer erleben darf, dass ich gesegnet bin, großartige Menschen um mich zu haben und natürlich habe ich an meine Oma gedacht, an den Krieg und was sie mir ermöglicht hat.

Durch die Gassen ging es hinab nach Alassio. Direkt am Meer genossen wir noch einen Aperol-Spritz in der Nachmittagssonne und reflektierten unsere sehr abwechslungsreiche Wanderreise. Mit dem Zug ging es dann von Alassio nach San Remo.

 

San Remo: Wir sind da!

Wir sind insgesamt mehr als 30h reine Gehzeit gegangen, haben insgesamt 165 Kilometer zurück gelegt mit mehr als 3.000 Höhenmetern. Was für ein Abenteuer, für Körper, Geist und Herz!

Ankunft am Bahnhof in San Remo. Der Bahnhof gleicht mehr einer unterirdischen Festung. Während wir mit unseren Rucksäcken aus dem Bahnhof rausspazieren wollen, werden wir gleich als Einzige von der örtlichen Polizei aufgehalten. Nach einer gefühlten Ewigkeit und in Unwissenheit gehalten, erhalten wir unsere Pässe zurück, die aus uns unbekannten Gründen im „Hinterkämmerchen“ überprüft und kopiert wurden. Mit dieser mir als eigenartigen Aktion hinterlässt San Remo einen komischen ersten Beigeschmack. Wir wandern weiter zu unserem Hotel, San Remo wird mir dennoch nicht sympathischer. Nach einer Dusche gehen wir auf Abendessen-Beschaffung. Die Strandpromenande ist mehr als touristisch und als wir dann auch noch auf der Karte Wiener Schnitzel entdecken, ist uns klar direkt auf der Strandpromenande essen wir nicht. Wir finden dann ein ziemlich nettes Restaurant in zweiter Reihe und genießen so richtig lange und schlemmend unser Abendessen mit einer Flasche Rotwein.

Weiters haben wir uns entschieden keine Zusatz-Nacht mehr in San Remo zu bleiben, sondern gleich morgen früh mit dem Zug nach Alba zurückzukehren. Die Zugtickets haben wir zuvor am Bahnhof in San Remo gelöst. Die mehr als 5-stündige Fahrt nach Alba wird ebenso ein Abenteuer, da wir einige Male mit dem ganzen Gepäck ziemlich rasch jedesmal umsteigen müssen und die Abfahrtsgleise trotz Recherche und Nachfragen noch unklar sind. Wir riskieren es trotzdem. Wer es bequemer mag, kann auch über Eurohike einen Transfer bestellen, geht deutlich schneller, ist wahrscheinlich stressfreier, aber auch ein bisschen teurer.

Abreise: Von San Remo nach Alba

Von San Remo an der Küste entlang ging es zuerst mit dem Zug Richtung Savona. Vor Savona, erklärte uns dann die Schaffnerin, sind die Bahngleise unterbrochen und darum müssen wir den Schienenersatz nehmen. In Mondovi wurden wir dann in Busse gepfercht, um in einen weiteren Ort wieder in den Zug einsteigen zu können. Mehrere Zug-Umstiege später, die wir alle erreicht haben, sind wir dann wieder an unserem Wander-Einstiegsort, da wo unser Auto stand, in Alba angekommen. So ganz stressfrei war die Zugreise zurück nach Alba nicht. Also wer definitiv nicht so abenteuerlustig ist wie wir, dem rate ich, nehmt den Transfer von Eurohike. Dennoch die Rückreise von San Remo nach Alba ist gut verlaufen und wir haben dadurch auch nochmals Teile von Ligurien und Piemont aus dem Zugfenster aus sehen können.

*Werbung: Kooperation | Abermals Tausend Dank an Eurohike, die diese großartige Reise geplant und mir ermöglicht haben. Für all meine LeserInnen die ebenso wie ich durch den Piemont und Ligurien wandern wollen, wendet euch an Eurohike. Eurohike plant, organisiert die Strecke, die Unterkunft bzw den Gepäcktransport. Das heißt ihr geht untertags mit leichten Tagesrucksack, müsst aber nicht auf den Mehr-Gepäck Komfort am Abend verzichten. Eurohike befördert jeden Tag euer Gepäck verlässlich zu eurer neuen Unterkunft. Piemont und Ligurien ist zu der Jahreszeit, die ich gegangen bin, also April, wirklich sehr menschenleer. Also wer so richtig Entspannung in der Einsamkeit sucht, ist hier um diese Jahreszeit definitiv richtig. Wer diese Tour geht, sollte auch schon ein bisschen vortrainiert sein, die Strecken sind teils sehr lange und mit einigen Höhenmetern, die gerade bei Temperaturen über die 25 Grad ohne Schatten herausfordernd werden können. Jedoch wenn ich das schaffe, dann ihr bestimmt <3.

Eurohike bietet verschiedene Schwierigkeits-Stufen bei den Wanderungen an, soweit ich informiert bin, kann man auch eine leichtere Variante durch den Piemont und Ligurien gehen. Schaut einfach mal bei Eurohike auf der Homepage vorbei, dort ist das sehr gut beschrieben. Diese Tour, die ich hier beschreibe, fällt in die Kategorie: Bergwandern.

Auch mindestens Tausend Dank möchte ich meiner Reisebegleiterin sagen: „Es mir ein Volksfest mit dir! So viel gelacht mit Tränchen, so viel gegenseitige Unterstützung und Selbstständigkeit, soviel Zeit dennoch für unsere eigenen Gedanken, so viel Genuss und Antrieb. Es war so schön, dass ich dieses Abenteuer mit dir erleben konnte. So viele Momente werden mir in Erinnerung bleiben, die mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern, die ich hier nicht erwähnen werde, weil sie einfach zu uns zwei zu dieser Reise gehören. An meine LeserInnen, wenn ihr Fragen zu der Reise habt, fragt, schreibt mir eine Nachricht, ich freue mich darüber.