Ich war segeln. Ich bin mit Karin am Segelschiff Gamba von Mallorca nach Alicante (mit)gesegelt. Klingt für manche vielleicht unspektakulär. Was ist, wenn ich euch jetzt sage: Ich habe Karin vorher nicht gekannt. Segeln mit einer Fremden.

Was ist, wenn ich euch jetzt sage: Wir sind nur zu zweit im großen Mittelmeer gesegelt. Sozusagen segeln mit einer Fremden alleine am Meer. Dabei ist so manches passiert, mein Abenteuer der Extra-Klasse, aber lest selbst…

Karin, das Segelschiff Gamba und das Projekt: Zeitzumsegeln

Ich habe vor ein paar Monaten einen Bericht über das Segeln geschrieben (Klick).

Stellt euch vor, der Bericht ist viral gegangen. Kurz zusammengefasst viele Menschen haben diesen Bericht gelesen. Ziemlich viele Menschen.

Auch die Freundin von Karin. Sie hat mich auf das Projekt von Karin – www.zeitzumsegeln.com – aufmerksam gemacht hat. Ich war gleich Feuer und Flamme.

Eine Frau, in meinem Alter, die sich ein Jahr Zeit nimmt. Sich eine Auszeit von der Arbeit nimmt (Sabbatical) und stattdessen ein Jahr lang segeln will. Ich wusste ich muss unbedingt darüber schreiben.

Von Italien bis in die Karibik und wieder zurück will sie segeln.

Ich wusste ich muss mir Karin, Gamba, das Projekt genauer anschauen. Ihr wisst, ich schreibe nur über etwas, was ich wirklich gesehen habe. Was mich wirklich überzeugt hat.

Gesagt getan.

Karin hat auf ihrer Homepage ihre Etappen-Ziele wochenweise aufgelistet. Bei freien Kojenplätzen kann man mitsegeln.

Ich habe mich bei ihr gemeldet für die Woche Mallorca nach Alicante. Flug war schnell gebucht. Einmal Mallorca Hinflug über Linz und einmal Alicante Rückflug nach Wien.

So ca eine Woche vor Abflug, habe ich Schiss bekommen. Auf was lasse ich mich da ein?! Hilfe!? Mit einer komplett fremden Skipperin, mit meinen momentan vorhandenen Segel-Kenntnisse nur zu zweit, alleine auf einer Segelyacht einmal quer durchs Mittelmeer.

Himmel!? HILFE?!

Kurzum ich hatte die Hosen gestrichen voll.

Darum bin ich wie ein aufgescheuchtes Henderl zum Thalia, Buchhandlung, gelaufen und habe mich stundenlang in Segel-Literatur eingelesen.

Ein Anruf bei Karin hat mich dann beruhigt. Eine offene und entspannte Stimme hat mir meine ganze Panik genommen. Nach dem Telefonat hat mein Bauch-Gefühl meinem Verstand wieder das O.K gegeben.

So kam es, dass ich eine Woche später von Linz nach Mallorca geflogen und von Palma nach Cala d’Or mit dem Hotel-Shuttle-Bus in die Marina gefahren bin.

Hafen: Cala d’Or Mallorca: Begegnungen

Mitten in der Nacht in einem fremdem Hafen mit meinem Handgepäck-Roll-Köfferchen und Seesack treffe ich auf eine Fremde mit der ich die nächsten Tage auf einer Segelyacht verbringen werde. Ich war nervös und habe gleichzeitig gebetet, dass Karin eine ganz liebe und umgängliche Person ist. Auch, dass unser erstes aufeinander treffen gut läuft.

Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hatte ich das Gefühl wie bei einem Blinde-Date. War es vielleicht auch, nur dass wir beide nach dem Blind-Date nicht mehr wirklich voneinander flüchten können.

So haben wir uns im Hafen von Cala d’Or in einem Restaurant gefunden. Karin war schon geübter als ich im „Blind Daten“ da sie die letzten Wochen, seit sie mit Gamba unterwegs ist, viele unterschiedlichen Menschen zum Mitsegeln getroffen hat.

Zusammengefasst, das Eis zwischen uns 2 war schnell gebrochen. Ich war aufgeregt, gespannt zugleich schon bald mit Karin und Gamba auszulaufen. Der erste Kurs sollte uns nach Cabrera führen bis wir nach Ibiza rüber-schlagen. Allerdings kam vorerst alles irgendwie anders.

Auf Grund der Wetter-Situation sind wir länger im Hafen Cala d’Or geblieben als erwartet. 2-3 Meter hohe Wellen von vorne für unseren ersten Schlag wollten wir vermeiden.

 

Die Zeit um das Wetter abzuwarten haben wir uns mit baden, essen und quatschen vertrieben. Wie gut tat doch die Sonne und das Meer auf der Haut. Der Hafen von Cala d’Or ist auch wunderschön angelegt. Ziemlich direkt daneben ist ein kleiner Sandstrand. Hinter dem Hafen, selbst nochmals Einkaufs- und Restaurant-Möglichkeiten bzw eine schöne Badebucht die umringt von weißen Häuschen und Hotels ist.

Cala d’Or ein wirklich schöner Badeort im südöstlichen Mallorca.

So kam es, dass wir Bree und Walter Corn im Hafen kennengelernt haben. Zwei Oberösterreicher (wie ich), aus Steyr, die zwei Jahre lang nun mit dem Segelschiff unterwegs waren. Bree, Meisterfotografin und Walter, ehemaliger Musik-Kauf-Haus-Besitzer. Was sie erlebt haben in diesen zwei Jahren haben sie dokumentiert. Schaut mal auf ihren Instagram, Facebook oder auch Youtube-Kanal vorbei. Zwei sehr inspirierende Persönlichkeiten.

Auch haben wir Bekanntschaft mit einem freilaufenden „Gockel“ gemacht. Im Hafen-Beach-Club ist dieser zu bewundern. Dort streunt er nämlich herum so wie eine Katze. Der „Gockel“ gehört niemanden, wie gesagt freilaufend. Mir hat dieses Vieh mit den gigantischen Krallen eher Angst gemacht. Er wollte auch permanent an unsere Chips und Getränke ran, was ihn mir noch unsympathischer machte.

Cabrera: Bojenfeld: Kein guter Start

Morgens am nächsten Tag waren wir bereit zum Auslaufen. Ich hatte keinen guten Tag. Habe mich matt und schlecht gefühlt. Mein Monatsritual machte mir zu schaffen.

Das Ablegen ging gut. Ich genoss den Fahrtwind. Sobald wir aus der Bucht waren, ging es ans Segel setzen. Während ich so über der Winsch-Kurbel hing, überkam es mich plötzlich.

Die arme Karin musste mit ansehen, wie die liebe Doris, das erste Mal in ihrem Leben die See-Krankheit erwischte. Ich kann euch erzählen, dass es schönere Dinge im Leben gibt, als sich stundenlang über der Reling zu erleichtern. Aber was soll es, da musste ich durch.

Das stundenlange schlecht sein wurde aber durch ein wirklich wunderschönes Highlight aufgewertet. Ich habe das erste Mal im Leben zwei Delfine am offenen Meer von der Nähe gesehen. Die zwei sind einfach mit uns eine Weile mitgeschwommen. So schön, ich konnte es selbst nicht glauben.

Am Bojenfeld dann in der Bucht von Cabrera bin ich dann ins Wasser gesprungen. Gut war es. Die Seekrankheit wurde besser. Ein kleiner Hunger signalisierte ich war am Weg der Besserung. Ein Pole von der Nachbar-Boje hat uns dann mit dem Dingi an Land gebracht. Gut gemeint hätte er es mit einem Bier für uns während der Fahrt. Ich habe gepasst.

Dafür hat mir dann mein erstes spanisches Thunfisch Bocadella seit langem um so mehr geschmeckt.

Ibiza Stadt: Welcome to Ibiza

Noch in der Nacht sind wir rüber nach Ibiza gesegelt. Sternenklarer Himmel, während Gamba geschmeidig durch das Wasser gegleitet ist. Eine Ruhe und Stille, die man schwer beschreiben kann. Unten im Aufenthaltsraum habe ich mich nach Auslaufen wieder hingelegt während Karin Gamba mit Kurs auf Ibiza gesteuert hat.

Das Wetter war wechselhaft. Kurz vor Ibiza sind wir einer Regenfront entkommen. Am späten Nachmittag/früher Abend haben wir dann den Hafen von Ibiza Stadt erreicht. Ich war aufgeregt. Ibiza, die bekannte Party-Balearen-Insel. Ich war gespannt. Der Marinero hat uns eine viel zu kleine Yacht-Lücke zugeteilt, so dass wir Gamba nicht gut befestigen konnten. Somit hatten wir zweimal das Anlege-Manöver. Beim zweiten Anlege-Platz passte die Größe und wir konnten Gamba sicher und fest machen.

Nach einer kurzen Dusche in der Marina waren wir bereit für Ibiza-Stadt. Mit dem Hafen-Boot ging es in die Altstadt.

Nach dem köstlichen Essen waren wir beide vom Tag so erledigt und müde, dass wir das Partyleben in Ibiza sein lassen mussten.

Der Wind frischte auf und plötzlich hat es angefangen zum Regnen und wir waren heil froh, dass wir noch ein Taxi ergattern konnten. Ein Taxi was uns zurück zum Hafen, zu Gamba, brachte.

Der nächste Tag führte uns auf durch die Gassen von Ibiza. Unten vorm Eingang der Altstadt ein geniales Frühstücks-Lokal zum draußen sitzen und Leute beobachten. Was für ein Genuss: Cappuccino und Pan mit Tomaten und Croissant mit Schokolade.

Danach gingen wir hoch, auf die Burg, um die Aussicht zu genießen.

Wir streiften weiter durch die Altstadt bis Karin vor einem „Fenster-Sangria“ stehen blieb. Sangria und Spanien besonders auf Ibiza, das muss man probiert haben. So verbrachten wir den Nachmittag Sangria schlürfend in der Altstadt von Ibiza.

Spanien Festland: Alicante: Dicke Fische

Ibiza lag schnell hinter uns. Obwohl man die Insel noch ewig lange sah. Für Formentera blieb leider keine Zeit mehr. Kurs direkt auf Alicante. Stunden vergingen rund um uns nur Meer und Sonne.

Um ca 16 Uhr passierte das unfassbare. Die Angel, die Karin vorhin ausgeworfen hat und hinter Gamba im Wasser herlief, hatte wohl einen Fisch gefangen.

Bei mir brach nackte Panik aus. Karin stürzte sofort auf die Angel und fing an das „ETWAS“, was angebissen hat, mit der Angel hereinzuholen. „Ok, was ist das wohl für ein Meerestier! Ein Monster?“ Meine Gedanken gingen mit mir durch. Das „ETWAS“ aus dem Meer schwabte plötzlich über die Reling herein. „Ein dicker Fisch, der eine Flosse wie ein Hai hatt,“ dachte ich. Panik!? So wich ich dem Fisch aus, stürzte über den Gas-Hebel und wieder zurück.

Karin rief mir zu: „Schnell die Muring-Handschuhe, einen Topf, Schnaps und das große Messer!“ Gedacht habe ich nicht mehr, ich habe nur einfach alles besorgt. Bis ich wieder beim Fisch stand, der wie wild zappelte, machte ich mir das erste Mal Gedanken um den Schnaps.

Der Fisch zappelte wie wild, wir waren überfordert. Was tun? So haben wir ihn mit Schnaps beträufelt, nein wir haben ihn alkoholisiert. Danach hat der Fisch sofort aufgehört zum Zappeln und wir konnten ihn vom Haken nehmen. Was nun? Was ist das für ein Fisch?

So habe ich meinen Vater, ein alter Fischersmann, angerufen. Gott sei Dank hatte ich wenigstens einen Strich Empfang. Mein Vater gab uns dann Anweisungen. Karin führte die Anweisungen geschickt aus. Mein größter Respekt gilt Karin, ich weiß nicht ob ich die Nerven gehabt hätte den Anweisungen zu folgen und den Fisch somit bratfertig zu machen.

So hatten wir um ca 17:00 Uhr einen bratfertigen Fisch. Genauer gesagt einen echten Bonito. Während wir weitergesegelt sind, habe ich den Fisch runter gebracht und ihn mit ganz viel Olivenöl und Salz ins heiße Backrohr reingeschoben. Das war eine Herausforderung bei Wellen. Das sag ich euch.

Bei einem umfassbar wunderschönen Sonnenuntergang haben wir dann den essfertigen Fisch pur gegessen. Einfach so. Einfach herrlich.

Rund um Mitternacht sind wir dann nach Alicante Hafen rein. Eine mystische Hafen-Einfahrt. Es hat aber alles wunderbar geklappt und wir konnten Gamba in der ersten Reihe im Hafen fest machen. Wir waren bereit für die erste Übernachtung in Alicante.

Der hohe Berg, die Festung von Alicante, zeigte sich am nächsten Tag vor uns. Zuerst sind wir in die Altstadt geschlendert, dann runter zum Strand. Weiter dann auf der Suche nach dem „Aufzug“ zur Festung. Der Himmel bedeckt aber doch sehr warm.

 

Der langgezogene Sandstrand ist gleich neben der Marina mit vielen Bars und Cafes. Über Nacht kündigte sich ein heißer „Sahara-Sturm“ an und plötzlich war es um einiges noch heißer.

So verbrachte ich den nächsten Tag im Badeanzug und beim Sonne tanken. Herrlich.

Ehe ich es mir versehen konnte waren die Tage dann auch schon wieder vorbei und ich musste meinen Rückflug antreten.

Am letzten Abend allerdings sind Karin und ich einer Empfehlung zu einer grenzgenialen Tapas-Bar in Alicante gefolgt. Das war die absolute beste Empfehlung überhaupt. So richtig genial spanisch Tapas Essen und Bier trinken um weniges Geld. Die Bar heißt D´Tablas Alicante. Die Bar ist der absolute Burner. Schaut unbedingt da mal hin, wenn ihr in Alicante seid.

Karin ist natürlich nach meinem Abflug noch weiter gesegelt. Mittlerweile ist sie auf Kurs nach Madeira. Schaut unbedingt mal auf ihrer Webseite vorbei: KLICK.

Falls ihr nun auch Lust bekommen habt, Karin auf ihrem Projekt als MitseglerIn zu begleiten, meldet euch bei ihr. Auch könnt ihr Karin auf Facebook bzw Instagram folgen.